Weshalb müssen wir Vergnügungen und Begierden transzendieren?

Sri Chinmoy: Wir müssen wissen, dass es hier auf der Erde zwei Dinge gibt. Das eine ist Vergnügen, das andere ist Freude. Wir wissen, dass zwischen Vergnügen und Freude ein großer Unterschied besteht. Die menschliche Welt, das äußere Bewusstsein, schreit nach Vergnügen. Jedesmal, wenn Vergnügen erfüllt wird, sehen wir, dass in unserem Vergnügen Frustration überhand nimmt. Erst erfüllen wir unsere Wünsche, indem wir an das Vergnügen denken, zum Beispiel etwas so Unnötiges wie einen Cadillac zu kaufen. Bald danach sind wir frustriert, weil der Wagen, den wir erhalten haben, nicht groß genug ist; wir wollen etwas Komfortableres. Wenn wir mit unseren Wünschen der Bequemlichkeit nachlaufen, erhalten wir natürlich keine Zufriedenheit. Durch die Erfüllung unserer zahllosen Wünsche werden wir nie erfüllt. Wenn heute ein Wunsch erfüllt ist, werden wir morgen einen neuen Wunsch haben, und sobald dieser Wunsch erfüllt ist, werden wir wiederum einen neuen Wunsch haben. Wenn wir in unserem Leben Erfüllung durch Wünsche erwarten, werden wir nie erfüllt werden.
Wenn wir uns jedoch nach Freude sehnen, nach innerer Freude, dann laufen wir jedesmal auf die Erfüllung zu. Wenn wir fünf oder zehn Minuten meditieren, erhalten wir innere Freude, die uns erfüllt. Wenn wir fühlen, dass Freude in unser Leben kommt, dann entsteht aus der Freude mehr Freude, immense Freude, grenzenlose Freude. Innere Freude will nur, dass wir Gott erfüllen; und nur indem wir Gott erfüllen, können wir wirklich erfüllt werden.
Unsere menschlichen Wünsche oder Begierden werden nie vollständig erfüllt. Man muss sie transzendieren. Begierde hat nicht die Fähigkeit, uns zu befreien. Im Gegenteil, die ureigenste Natur der Begierde ist, uns zu binden, denn die Begierde selbst ist gebunden. Dagegen ist es die ureigenste Natur der Strebsamkeit, uns zu befreien, denn Strebsamkeit ist immer frei. Was selbst Freiheit hat, kann uns schließlich befreien, aber was selbst keine Freiheit hat, sondern nur ein Sklave ist, hat uns nichts anzubieten.