Weshalb ist das Leben der Begierde so gefährlich?

Sri Chinmoy: Wir versuchen ständig, unseren irdischen Besitz zu vergrößern, aber im nie endenden Verlangen kann es niemals Erfüllung geben.
Solange die Kraft der Wünsche, des Verlangens oder der Begierde in uns wirkt, werden wir versuchen, alles zu besitzen, ganz gleich, ob es ein Mensch, Gott, Licht oder Friede ist. Die ureigenste Natur der Begierde ist zu besitzen. Wenn wir etwas Schönes sehen, will es unser Verlangen augenblicklich ergreifen. Doch das Ergebnis ist, dass wir es zerstören. Selbst wenn wir einen spirituellen Menschen sehen, der Licht und andere göttliche Eigenschaften besitzt, versuchen wir, jenen spirituellen Menschen mit unserem Verlangen zu besitzen. Wir wollen nicht, dass jener spirituelle Mensch auf seine eigene Art und Weise mit seinem inneren Licht, mit seiner inneren Freude, mit seinem inneren Mitleid umgeht. Nein, wir wollen ihn besitzen und sein äußeres und inneres Leben regeln.
Wenn wir in der äußeren Welt bleiben und am Spiel der Begierde teilnehmen, öffnen wir ihr uns jeden Augenblick. Dann tritt die Begierde, die Diebin, in unser Herz ein und stiehlt unseren Glauben an Gott, unsere Liebe zu Gott, unsere Widmung für Gott, unsere Hingabe an Gott. Wir werden von unserem äußeren Leben bis zu jenem Tage keine Freude erhalten, an dem unser inneres Leben und unser äußeres Leben eins werden und wir sie bewusst zu Gottes Füßen legen.