Vergnügen und Freude

Was ist der Unterschied zwischen Vergnügen und Freude? Vergnügen und Freude sind wie Nord- und Südpol, sagt der Meditationsmeister Sri Chinmoy. Aber wie kann man die oftmals nur feinen Nuancen unterscheiden lernen und somit sein eigenes Leben durch Meditation erfüllender gestalten? Hierzu gibt Sri Chinmoy zahlreiche Hilfestellungen.

Wie unterscheiden sich Vergnügen und das Wirkliche in uns?

Sri Chinmoy: Vergnügen. Vergnügen auf der physischen Ebene, der vitalen Ebene und der mentalen Ebene ist sehr kurzlebig, aber während seiner kurzen Lebenszeit verletzt das Vergnügen das Wirkliche in uns. Das Wirkliche in uns ist unsere Sehnsucht nach Gott, nach Wahrheit, nach Licht - unsere Sehnsucht nach dem Herzen der Unendlichkeit, nach dem Körper der Ewigkeit und nach der Seele der Unsterblichkeit. Das Vergnügen von heute endet in der Frustration und in der Zerstörung von morgen. Die Frustration und Zerstörung von morgen enden in der totalen Verdunkelung unserer inneren Göttlichkeit. Darum versucht ein aufrichtiger Sucher nach der transzendentalen Wahrheit, das Vergnügen zu meiden.
Freude. Im spirituellen Leben ist Freude von größter Bedeutung. Freude wächst, Freude fließt und Freude schwingt sich empor. Gott der emporstrebende Baum wächst mit unserer Freude, unserer inneren Freude. Gott der tanzende Fluss fließt mit unserer Freude, unserer erfüllenden Freude. Gott der fliegende Vogel schwingt sich mit unserer Freude, mit unserer erleuchtenden Freude empor.

Weshalb kann Vergnügen nicht rein sein?

Sri Chinmoy: Vergnügen kann nicht rein sein. Freude kann rein sein. Ekstase kann rein sein. Freude ist etwas Endliches. Ekstase ist etwas Unendliches. Freude ist von dieser Welt, hat aber Göttlichkeit in sich. Ekstase ist von der höheren Welt und hat Göttlichkeit in grenzenlosem Maße. Von Vergnügen zu Freude zu gehen ist wie aus der Dunkelheit ins Licht zu gehen. Dunkelheit kann in Licht verwandelt werden. Ebenso kann Vergnügen in Freude verwandelt werden. Doch dies geschieht nur durch inneres Streben und Widmung.

Weshalb müssen wir Vergnügungen und Begierden transzendieren?

Sri Chinmoy: Wir müssen wissen, dass es hier auf der Erde zwei Dinge gibt. Das eine ist Vergnügen, das andere ist Freude. Wir wissen, dass zwischen Vergnügen und Freude ein großer Unterschied besteht. Die menschliche Welt, das äußere Bewusstsein, schreit nach Vergnügen. Jedesmal, wenn Vergnügen erfüllt wird, sehen wir, dass in unserem Vergnügen Frustration überhand nimmt. Erst erfüllen wir unsere Wünsche, indem wir an das Vergnügen denken, zum Beispiel etwas so Unnötiges wie einen Cadillac zu kaufen. Bald danach sind wir frustriert, weil der Wagen, den wir erhalten haben, nicht groß genug ist; wir wollen etwas Komfortableres. Wenn wir mit unseren Wünschen der Bequemlichkeit nachlaufen, erhalten wir natürlich keine Zufriedenheit. Durch die Erfüllung unserer zahllosen Wünsche werden wir nie erfüllt. Wenn heute ein Wunsch erfüllt ist, werden wir morgen einen neuen Wunsch haben, und sobald dieser Wunsch erfüllt ist, werden wir wiederum einen neuen Wunsch haben. Wenn wir in unserem Leben Erfüllung durch Wünsche erwarten, werden wir nie erfüllt werden.
Wenn wir uns jedoch nach Freude sehnen, nach innerer Freude, dann laufen wir jedesmal auf die Erfüllung zu. Wenn wir fünf oder zehn Minuten meditieren, erhalten wir innere Freude, die uns erfüllt. Wenn wir fühlen, dass Freude in unser Leben kommt, dann entsteht aus der Freude mehr Freude, immense Freude, grenzenlose Freude. Innere Freude will nur, dass wir Gott erfüllen; und nur indem wir Gott erfüllen, können wir wirklich erfüllt werden.
Unsere menschlichen Wünsche oder Begierden werden nie vollständig erfüllt. Man muss sie transzendieren. Begierde hat nicht die Fähigkeit, uns zu befreien. Im Gegenteil, die ureigenste Natur der Begierde ist, uns zu binden, denn die Begierde selbst ist gebunden. Dagegen ist es die ureigenste Natur der Strebsamkeit, uns zu befreien, denn Strebsamkeit ist immer frei. Was selbst Freiheit hat, kann uns schließlich befreien, aber was selbst keine Freiheit hat, sondern nur ein Sklave ist, hat uns nichts anzubieten.

Was ist Glück?

Glücklich sein! Ratschläge des spirituellen Lehrers Sri Chinmoy

Glücklich sein! Sri Chinmoys Lebensmotto.
"Glaube an das Glück, so wirst du es erlangen." (Ali ibn Ali Talib)

Glücklich sein war das Lebensmotto des am 11.Oktober 2007 verstorbenen spirituellen Lehrers Sri Chinmoy, eines authentischen Meditationsmeisters. 1931 in Indien geboren und ab 1964 in New York City lebend, fand und entwickelte er viele neue Wege, das Dasein glücklicher zu gestalten. Abertausende Menschen haben weltweit davon profitiert und konnten durch Sri Chinmoys Beispiel und Vorbild ihr eigenes Leben um ein Vielfaches bereichern. Sri Chinmoy ging dabei einen Weg der Selbst-Transzendenz, den er vor allem durch Meditation, künstlerische Aktivitäten wie Musik, Malerei und Dichtung sowie Sport verwirklichte. Geprägt war diese Philosophie der Selbst-Transzendenz durch die Hingabe an eine höhere Kraft, die sein reichhaltiges und fruchtbares Leben bestimmte. Glück erfahren bedeutete deshalb für Sri Chinmoy auch immer das Loslassen vom eigenen "ich" und ein Eintauchen in sein wahres, innerstes Wesen.

Glücklich sein! Doch was ist Glück?
"Wirkliches Glücklichsein ist etwas in uns, das uns ständig fühlen lässt, dass wir unser Bewusstsein ausdehnen und die ganze Welt von ganzem Herzen umarmen." (Sri Chinmoy)

Glücksforscher haben heraus gefunden, dass äußere Umstände nur etwa zehn Prozent des gefühlten menschlichen Glücks ausmachen. Es muss also eine innere Dimension des Glücks existieren, die nicht oder nur sehr geringfügig mit der Außenwelt zusammenhängt. Sozusagen etwas Ewiges, was dem Menschen schon immer innewohnte und von jedem erweckt werden kann. Sozusagen eine Art Glücklichsein als Geburtsrecht, wie es ja auch in der amerikanischen Verfassung verankert ist. Ein Geburtsrecht, welches nur auf seine Entdeckung wartet. Aus diesem Grund sagen die ältesten indischen Schriften, die Veden:

"In der Glückseligkeit sind wir entstanden. In der Glückseligkeit wachsen wir. Und am Ende unserer Reise gehen wir wieder in die Glückseligkeit ein."

Glücklich sein! Wie werde ich glücklich? Sri Chinmoys Lebensweisheiten.
"Ich binde und binde mein kleines "ich" und erleide die Qualen der Hölle. Ich enthülle und enthülle meine wahre Form und genieße das Glücklichsein des Himmels."

Glücklich sein und Ego widersprechen sich. Glücklich sein und die Erkenntnis der Einheit mit allem Existierenden entsprechen sich. Eigentlich ist alles ganz einfach! Reinheit, Aufrichtigkeit und Hingabe sind die wichtigsten Werkzeuge, um den kostbaren Schatz des Glücklichseins zu heben. Reinheit bedeutet frei zu sein von Wünschen und Begierden, frei von Anhaftung. Dazu der Zen-Mönch Sokei-an Roshi:
"Wenn ihr erkennt, dass dies nicht euer eigener Körper ist, dass ihr diesen Körper nicht besitzt, vergesst ihr die Unreinheit und die miteinander verbundenen Vorstellungen von rein und unrein."

Aufrichtigkeit bedeutet, jederzeit die eigenen Schwächen aber auch Stärken zu erkennen und sich einzugestehen.
"Handle nicht wie ein Narr. Sei aufrichtig in deinen Gedanken, sei rein in deinen Gefühlen. Du wirst dem Glücklichsein nicht nachlaufen müssen. Das Glücklichsein wird dir nachlaufen." (Sri Chinmoy)

Und zuletzt ist die Hingabe an eine höhere Kraft, an etwas Göttliches, Erhebendes das wahre Geheimnis eines wirklichen Glücklichseins. Die Vereinigung des menschlichen Tropfens mit dem Ozean der grenzenlosen Unendlichkeit, Ewigkeit und Unsterblichkeit. Denn, so Sri Chinmoy:
"Du brauchst nicht bis zu deinem Lebensende zu warten, um glücklich zu werden. Du musst nur am richtigen Ort suchen. Der richtige Ort ist dein sich hingebendes Herz."

Glücklich sein! Bedingung für ein erfülltes Leben.
Glücklichsein kommt dem ganzen Menschen zugute, in all seinen vielfältigen Lebensbereichen und Lebenssituationen. Handelt es sich um soziale Beziehungen, die erfüllender gestaltet werden sollen? Möchte sich der Einzelne persönlich weiterentwickeln und den Alltag übersteigen? Soll die Gesundheit verbessert, neue Freunde hinzugewonnen, die Lebensqualität gesteigert oder sogar das Leben an sich bewältigt werden? Ist es die Schule, das Studium oder der Beruf, die bisher Probleme bereiteten? Bei all diesen Dingen und noch vielen mehr hilft das Glücklichsein. Ein Glücklichsein, welches tief im Innersten des Menschen seinen Ursprung hat und ihn an der Freude und Erfüllung seiner ewig währenden göttlichen Quelle teilhaben lässt. Oder wie es Sri Chinmoy einmal poetisch formulierte:

"Wenn du Fortschritt machen willst, denke nur an das Glücklichsein deines Herzens und wie du dein ganzes Wesen glücklich erhalten kannst. Wo immer du hingehst, trage Glücklichsein mit dir."

(Siehe auch Web-Log zur Selbst-Transzendenz von Mahamani)

Weshalb ist das Leben der Begierde so gefährlich?

Sri Chinmoy: Wir versuchen ständig, unseren irdischen Besitz zu vergrößern, aber im nie endenden Verlangen kann es niemals Erfüllung geben.
Solange die Kraft der Wünsche, des Verlangens oder der Begierde in uns wirkt, werden wir versuchen, alles zu besitzen, ganz gleich, ob es ein Mensch, Gott, Licht oder Friede ist. Die ureigenste Natur der Begierde ist zu besitzen. Wenn wir etwas Schönes sehen, will es unser Verlangen augenblicklich ergreifen. Doch das Ergebnis ist, dass wir es zerstören. Selbst wenn wir einen spirituellen Menschen sehen, der Licht und andere göttliche Eigenschaften besitzt, versuchen wir, jenen spirituellen Menschen mit unserem Verlangen zu besitzen. Wir wollen nicht, dass jener spirituelle Mensch auf seine eigene Art und Weise mit seinem inneren Licht, mit seiner inneren Freude, mit seinem inneren Mitleid umgeht. Nein, wir wollen ihn besitzen und sein äußeres und inneres Leben regeln.
Wenn wir in der äußeren Welt bleiben und am Spiel der Begierde teilnehmen, öffnen wir ihr uns jeden Augenblick. Dann tritt die Begierde, die Diebin, in unser Herz ein und stiehlt unseren Glauben an Gott, unsere Liebe zu Gott, unsere Widmung für Gott, unsere Hingabe an Gott. Wir werden von unserem äußeren Leben bis zu jenem Tage keine Freude erhalten, an dem unser inneres Leben und unser äußeres Leben eins werden und wir sie bewusst zu Gottes Füßen legen.

Wie unterscheiden sich Freude und Vergnügen?

Sri Chinmoy: Wir Menschen verwechseln ständig Freude und Vergnügen. Wir laufen fortwährend dem Vergnügen nach und nicht der Freude. Wenn wir jedoch einmal Freude erlangt haben, wächst sie wie eine duftende Blume und erblüht Blütenblatt um Blütenblatt, währenddessen Vergnügen zu unvermeidlicher Zerstörung führt. In der äußeren Welt gibt es keine Freude. Was wir Freude nennen, ist lediglich eine Form des Vergnügens. Was schenkt uns in der äußeren Welt Freude? Nur die Erfüllung von Wünschen, von Begierden. Jetzt will ich ein Haus, aber sobald ich es erhalte, will ich ein weiteres Haus haben, und wenn ich es erhalte, werde ich immer noch nicht zufrieden sein. Jedes Mal, wenn in unserem äußeren Leben ein Wunsch oder eine Begierde erfüllt ist, werden wir das Opfer eines noch größeren und noch zerstörerischen oder noch bindenderen Verlangens. Die Wünsche und Begierden nehmen kein Ende. Ein Wunsch oder eine Begierde ist nur eine Sekunde lang erfüllend, doch im nächsten Augenblick kommt ein neues Verlangen mit zehnfacher Kraft.
Wirkliche Freude erhält uns. Wirkliche Freude befreit uns. Aber Vergnügen im äußeren Leben bindet uns gnadenlos.

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