Mitgefühl

Wahres Mitgefühl kann nur durch innere Verbundenheit entstehen. Bei echtem Mitgefühl kann es kein größer oder kleiner, besser oder schlechter geben. Denn wahres Mitgefühl ist immer ein Ausdruck von Verbundenheit mit allem Existierenden - die Grundlage erfüllender Freude.

Wie können wir mehr Mitgefühl entwickeln?

Sri Chinmoy: Wir können mitfühlender und mitleidsvoller werden, wenn wir an jemanden denken, der unendlich viel mitfühlender ist als wir selbst, und das ist Gott. Gottes Mitgefühl kann nicht beschrieben werden. Wir machen ständig etwas falsch, aber Er vergibt und vergibt. Da Gott sein Mitleid beständig auf uns herabregnen lässt, sollte es auch für uns leicht sein, Mitgefühl zu haben, wenn die Menschen um uns Fehler machen. Wenn wir einmal erkennen, dass Gott nichts anderes ist als unser eigenes, erleuchtetes Selbst, dann werden Überlegenheit und Unterlegenheit sich im Einssein auflösen, und wir können Gottes unendliches Mitleid als unser Eigen betrachten.

Wie unterscheiden sich Mitgefühl und Bedauern?

Sri Chinmoy: Zwischen Mitgefühl und Bedauern besteht ein großer Unterschied. Wenn wir jemanden bedauern, fühlen wir, dass er uns unterlegen ist. Wir sind vom anderen Tausende von Kilometern entfernt oder stehen Hunderte von Kilometern über ihm. Mit Mitgefühl jedoch gehen wir einfach auf den anderen zu und werden eins mit ihm. Als du sieben oder acht Jahre alt warst, hast du vieles falsch gemacht. Du hast Himalaya-hohe Dummheiten angestellt. Doch deine Eltern vergaben dir, weil du ein Kind warst. Mitgefühl kommt von selbst, wenn du dir vorstellst, dass jemand nur ein Kind ist und etwas nicht besser versteht. Wenn andere etwas falsch machen, betrachte sie einfach als deine jüngeren Brüder und Schwestern. Heute können sie es nicht besser, aber eines Tages werden sie beginnen, ihrem Ziel entgegenzugehen, dann zu marschieren, und schließlich zu laufen.

Was bedeutet Mitgefühl?

Sri Chinmoy: Mitgefühl und Mitleid sind ein spiritueller Magnet, der uns zu anderen Menschen hinzieht. Wenn wir Mitleid und Anteilnahme empfinden, sehen wir, dass bereits ein innerer Magnet am Werk ist. Mitleid basiert auf unserem mitfühlenden Einssein. Wenn mein Knie schmerzt, lege ich meine Hand darauf und empfinde Mitgefühl für mein Knie. Warum? Weil mir bewusst ist, das mein Knie ein integraler Bestandteil meiner eigenen Existenz ist. In ähnlicher Weise entwickeln wir sehr leicht Mitgefühl, wenn wir unser Einssein mit jemandem fühlen. Wenn wir das Leiden eines anderen Menschen als unser eigenes empfinden, wenn wir gewillt sind, uns als einen Teil im Leben des anderen zu sehen, dann kommen unser Mitleid, unser Mitgefühl, unsere Anteilnahme und andere göttliche Eigenschaften unmittelbar zum Vorschein.
Im allgemeinen ist mit dem sogenannten Mitgefühl, das ein Mensch für einen anderen empfindet, ein Gefühl von Getrenntsein und Unterlegenheit verbunden. Derjenige, der meint, Mitleid zu empfinden, fühlt sich überlegen; derjenige, der dieses Mitleid empfängt, fühlt sich unterlegen. Manche Menschen wollen uns das Gefühl geben, dass sie reiner und spirituell stärker sind als wir. Sie glauben, uns Mitgefühl zu schenken, doch in Wirklichkeit haben sie gar kein Mitgefühl.
Wahres Mitleid entspringt nicht einem Gefühl der Überlegenheit, sondern dem Gefühl des Einsseins. Wenn das Gefühl des Einsseins vorhanden ist, wird darin alles Göttliche, Inspirierende, Erleuchtende und Erfüllende ebenfalls anwesend sein. Wahres Mitleid oder Mitgefühl schließt all unsere guten Eigenschaften in sich ein: unser Wohlwollen, unsere selbstlose Hingabe, unsere Bereitschaft und Bereitwilligkeit, der Menschheit zu dienen. All diese Eigenschaften werden wir zum Vorschein bringen, wenn wir Einssein mit anderen Menschen fühlen.

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