Gute Meditationsübungen

Gute Meditationsübungen können den Interessierten schnell innerlich weiter bringen. Nachstehend eine kleine Auswahl.

Wie kann ich meine Aufmerksamkeit auf ein Bild lenken?

Sri Chinmoy: Richte deine Aufmerksamkeit auf ein Bild. Du kannst das Bild deines Meisters anschauen, oder du kannst dich selbst im Spiegel betrachten. Wenn du dich auf dein eigenes Spiegelbild konzentrierst, dann fühle, daß du mit dem physischen Wesen, das du siehst, völlig eins bist. Versuche daraufhin, in das Bild, das du siehst, einzutreten. Von dort solltest du versuchen zu wachsen. Mit diesem einen Gedanken wirst du wachsen: Gott will mich, und ich brauche Gott. Wiederhole: “Gott will mich. Ich brauche Gott. Gott will mich. Ich brauche Gott.” Dann wirst du feststellen, daß dieser göttliche Gedanke langsam und stetig zunehmend in dich eintritt und dein inneres und äußeres Wesen durchdringt und dabei deinem Verstand, deinem Vitalen und deinem Körper Reinheit schenkt.
Wenn du Konzentration üben willst, solltest du dir einen Gegenstand auswählen, der dir unmittelbar Freude schenkt. Wenn du einen Meister hast, wird dir das Bild deines Meisters spontane Freude schenken. Wenn du keinen Meister hast, dann nimm etwas, das sehr schön, göttlich und rein ist, wie zum Beispiel eine Blume.

Seit ich zu meditieren begonnen habe, fühle ich nach ein paar Minuten immer eine gewisse Spannung in meinem Kopf. Manchmal ist das sehr störend.

Sri Chinmoy: Fühle in diesem Fall bitte, daß du keinen Kopf und keine Stirn besitzt. Fühle, daß du nur ein Herz besitzt. Versuche, deine ganze Aufmerksamkeit auf dein Herz zu lenken. Du gehörst zum Herzen; dort ist dein Bewußtsein, nicht im Kopf. Versuche, dich ruhig auf dein Herz zu konzentrieren, auf nichts anderes. Du kannst auch einen Spiegel vor dir aufstellen und auf diese Art dein Herz betrachten, wenn du es schwierig findest, dich innerlich auf dein Herz zu konzentrieren. Zudem kannst du mein Bild betrachten und, anstatt auf mein drittes Auge zu schauen, mein Herz betrachten. Betrachte entweder dein Herz – mit oder ohne Spiegel – oder betrachte mein Bild und fühle mein Herz, je nachdem, was dir mehr zusagt. Diese Spannung stellt sich ein, weil du auf die falsche Stelle meditierst. Du meditierst im Verstand, was auf unserem Weg nicht ratsam ist.

Wie meditiert man am besten auf den Mond?

Sri Chinmoy: Wenn du auf den Vollmond meditierst, fühle, daß dein Bewußtsein in dir vollständig erblüht ist. Der Lotus hat viele Blütenblätter. Du kannst also an einen voll erblühten Lotus in dir denken. Du kannst die Schönheit des voll erblühten Lotus bewundern. Wenn du auf den Neumond meditierst, mußt du fühlen, daß sich ein Blütenblatt geöffnet hat und daß es noch viele Blütenblätter gibt, die aufblühen werden. Hier spürst du wiederum Freude, da du die Hoffnung hast, daß sich, wenn ein Blütenblatt der Blume aufgeblüht ist, morgen ein weiteres Blütenblatt öffnen wird und übermorgen noch eines. Auf diese Art wirst du beständigen Fortschritt sehen. Wenn du einmal etwas Fortschritt siehst, fühlst du, daß die Blume bald vollständig erblüht sein wird. Der Vollmond bereitet dir die Freude der Vollendung, und der Neumond bereitet dir Freude durch das Erkennen allmählichen Fortschritts.

Auf welche göttliche Eigenschaft sollte man zuerst meditieren?

Sri Chinmoy: Wenn du im Schneidersitz sitzt und einatmest, solltest du bewußt fühlen, wie ein Strom göttlicher Liebe durch deinen ganzen Körper fließt. Ohne Liebe gibt es keinen Gott und auch keine menschliche Existenz. Du liebst dich, du liebst Gott, du liebst die, die dir nahestehen, und du liebst die Menschheit als Ganzes. Versuche daher zuerst, Gottes Liebesaspekt zum Vorschein zu bringen. Wenn du einmal diesen Liebesaspekt in dir gefestigt hast, wirst du sehen, daß all die anderen Aspekte unweigerlich kommen werden. Liebe ist der Pionier aller göttlichen Eigenschaften. Wenn du also nach Gott schreist, fühle Liebe – sofortige, spontane, rückhaltlose, seelenvolle Liebe. Alle anderen göttlichen Eigenschaften Gottes werden unweigerlich dieser göttlichen Liebe folgen.

Wie kann ich mehr Licht erhalten oder es aus meinem Innern zum Vorschein bringen?

Sri Chinmoy: Du möchtest wissen, wie du mehr Licht erlangen kannst oder wie du Licht zum Vorschein bringen kannst. Dies bedarf einer gewissen Vorbereitung: Die Vorbereitung ist deine reine Konzentration, deine reine Meditation. Versuche während deiner Meditation oder Konzentration zu fühlen, daß du vom Licht kommst und im Licht bist. Das ist keine Vorstellung und keine mentale Halluzination. Ganz und gar nicht. Wenn du zu meditieren beginnst, fühle einfach, was du bist. Es ist die wirkliche, solide und konkrete Wahrheit, daß du Licht in dir birgst und daß du das Licht selbst bist. Du wirst bemerken, daß spontan ein Fluß von Licht von innen her zu fließen beginnt. Zuerst wirst du ihn in deinem Herzen fühlen. Dann wirst du ihn in deiner Stirn, im dritten Auge und schließlich überall fühlen.
Es gibt noch eine weitere Übung, um Licht zu sehen. Fühle bitte beim Einatmen, daß du etwas einatmest, das alles reinigt, was in dir gereinigt werden muß, und zugleich alles, was nicht genährt ist, kräftigt. Am Anfang gibt es eine Reihe von Dingen, die gereinigt werden müssen. Wenn du also fühlst, daß du sie nährst, kräftigst und gleichzeitig reinigst, wirst du sehen, daß Licht etwas ganz Natürliches sein wird.

Wie kann man Frieden herabbringen, wenn man nervös und unruhig ist?

Sri Chinmoy: Es gibt zwei Möglichkeiten. Die eine besteht darin, langsam einzuatmen und dabei dreimal sehr langsam “Supreme” zu sagen. Wenn du das aber schwierig findest, kannst du den Supreme so schnell wie möglich anrufen. Furcht oder Unruhe haben ihre eigene Geschwindigkeit. Wenn du Gefahr läufst, von deinem Feind angegriffen zu werden, versuche, den Namen des Supreme viel schneller zu wiederholen, als die Geschwindigkeit des Angriffs ist, den du durch Ärger oder Furcht erleidest. Wenn du dies tun kannst, wird der Supreme umgehend deinen Ärger, deine Frustration oder deine Furcht besiegen.

Wie kann ich durch Meditationsübungen eine umfassende Reinigung meines Wesens erzielen?

Sri Chinmoy: Wenn du eine umfassende Reinigung deines Wesens erreichen möchtest, dann kann Japa sehr wirkungsvoll sein. Du mußt aber systematisch vorgehen, Schritt für Schritt. Wiederhole heute “AUM”, “Supreme” oder ein Mantra, das dir dein Meister gegeben hat, fünfhundert Mal. Wiederhole es dann morgen sechshundert Mal, übermorgen siebenhundert Mal und so weiter, bis du nach einer Woche eintausendzweihundert erreichst. Verringere dann die Anzahl der Wiederholungen, bis du wieder bei fünfhundert bist. Auf diese Weise kannst du den Baum hinaufklettern und dann wieder heruntersteigen.
Fahre mit dieser Übung fort, Woche für Woche, einen Monat lang. Ob du deinen Namen ändern möchtest oder nicht, die Welt wird dir einen neuen Namen geben: “Reinheit”. Einige meiner Schüler haben diese Übung gemacht, und ich muß sagen, daß sie eine beträchtliche Läuterung ihres Wesens und ihrer emotionalen Probleme erreicht haben.
Meditation: Man-Perfection in God-Satisfaction
Wenn es für dich schwierig ist, die Übungen auf einmal zu machen, kannst du sie aufteilen. Du kannst sie auf zehn Male aufteilen, indem du das Mantra nur jeweils fünfzig Mal wiederholst. Wenn du im Laufe des Tages zehn Gläser Wasser trinken möchtest, jedoch alle zehn Gläser auf einmal trinkst, fürchtest du, dir den Magen zu verderben. Daher wirst du sie nicht auf einmal trinken. Doch wenn du immer im Abstand von ein oder zwei Stunden ein Glas trinkst, kannst du leicht zehn Gläser Wasser trinken. So kannst du hier, anstatt auf einmal AUM fünfhundert Mal zu chanten, es am frühen Morgen fünfzig Mal wiederholen. Nach einer Stunde versuchst du es weitere fünfzig Mal. Wenn du jede Stunde AUM fünfzig Mal wiederholst, wird es jedesmal nicht länger als ein oder zwei Minuten dauern. Da du leicht zwei Minuten in einer Stunde erübrigen kannst, wird es dir nicht schwerfallen.
Wenn du ein eigenes Mantra hast, kannst du es leicht fünfzig Mal in der Stunde aufsagen. Das kann nicht länger als zwei oder drei Minuten dauern, und jeder kann Gott drei Minuten schenken. Es kommt nicht darauf an, wieviele Stunden hintereinander du es wiederholen kannst, sondern wie seelenvoll du es tust.

Kennst du eine geheime Yoga-Übung?

Sri Chinmoy: Male einen sehr kleinen Kreis mit einem schwarzen Punkt darin in Augenhöhe an die Wand. Er sollte schwarz sein; nicht blau, rot oder in irgendeiner anderen Farbe. Stelle dich dann in etwa einem Meter Entfernung mit dem Gesicht zur Wand und richte deine gesamte Aufmerksamkeit auf den Kreis. Deine Augen sollten entspannt und halb geöffnet sein. Lasse die Kraft deiner Konzentration aus der Mitte deiner Stirn kommen. Öffne nach drei oder vier Minuten deine Augen vollständig und versuche zu fühlen, daß du vom Kopf bis zu den Füßen nur Augen bist. Dein gesamter Körper ist zu reinem Schauen geworden. Konzentriere dich jetzt bitte auf den Punkt innerhalb des Kreises und beginne, den Gegenstand deiner Konzentration zu verkleinern. Versuche nach ein paar Sekunden zu fühlen, daß dein gesamter Körper so winzig wie dieser Punkt an der Wand geworden ist. Versuche zu fühlen, daß der Punkt Teil deines eigenen Wesens ist. Trete dann in den Punkt ein, durchdringe ihn und gehe auf die andere Seite des Punktes. Schaue von der anderen Seite zurück und betrachte deinen eigenen Körper. Dein physischer Körper ist auf einer Seite, aber durch die Kraft deiner Konzentration hast du deinen subtilen Körper auf die andere Seite des Punktes gesandt. Durch deinen subtilen Körper siehst du deinen physischen Körper, und durch deinen physischen Körper siehst du deinen subtilen Körper.
Zu Beginn der Konzentration wird dein physischer Körper zur reinen Schau. Zu diesem Zeitpunkt ist der Punkt deine Wirklichkeit. Sobald du in den Punkt eingetreten bist, werden Schau und Wirklichkeit eins. Du bist Schau und Wirklichkeit zugleich. Wenn du von dem Punkt aus auf dich zurückblickst, kehrt sich der ganze Vorgang um. Zu diesem Zeitpunkt wirst du auf der Seite des Punktes reines Schauen, und der Ort, an den du zurückkehrst – dein Körper – ist die Wirklichkeit. Danach werden Schau und Wirklichkeit wieder eins.
Wenn du Schau und Wirklichkeit auf diese Weise betrachten kannst, ist deine Konzentration absolut vollkommen. Wenn dich deine Konzentrationskraft auf die andere Seite des Punktes, den du Wirklichkeit genannt hast, bringen kann, wird sich dein ganzes Wesen weit jenseits von Schau und Wirklichkeit befinden. Sobald du fühlen kannst, daß du über Schau und Wirklichkeit hinausgegangen bist, wirst du unendliche Kraft besitzen.

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