Meditationstechniken

Es gibt viele Meditationstechniken, aber nur eine Meditation. Eine Technik ist daher nur ein Hilfsmittel, kann jedoch dem Einzelnen große Dienste erweisen. Wie? Davon nachfolgend mehr.

Erläutere bitte ein paar Meditationstechniken bezüglich Visualisationen.

Sri Chinmoy: Bei diesen Meditationstechniken stelle dir bitte in deinem Herzen eine Blume, eine Rose vor. Fühle, daß die Rose nicht voll erblüht ist, sie hat noch die Form einer Knospe. Nachdem du zwei oder drei Minuten meditiert hast, versuche dir vorzustellen, daß die Rose sich Blütenblatt um Blütenblatt öffnet. Sieh und spüre, wie die Rose sich Blütenblatt um Blütenblatt in deinem Herzen entfaltet. Versuche dann, nach fünf Minuten zu fühlen, daß das Herz überhaupt nicht existiert, es gibt nur eine Blume in dir, die “Herz” genannt wird. Du hast kein Herz, sondern nur eine Blume. Die Blume ist zu deinem Herzen geworden, oder dein Herz ist zu einer Blume geworden. Fühle bitte nach sieben oder acht Minuten, daß das Blumenherz oder die Herzensblume deinen gesamten Körper durchdrungen hat. Dein Körper existiert nicht länger. Von Kopf bis Fuß nimmst du den Duft der Rose wahr. Wenn du deine Füße betrachtest, riechst du sofort den Duft einer Rose. Wenn du dein Knie betrachtest, riechst du den Duft einer Rose. Wenn du deinen Kopf betrachtest, riechst du den Duft der Rose. Überall spürst du die Rose. Die Schönheit, der Duft und das Licht der Rose haben deinen ganzen Körper durchdrungen. Wenn du fühlst, daß du vom Kopf bis zu den Füßen zur Schönheit, zum Duft, zum Licht und zur Seligkeit der Rose geworden bist, bist du bereit, dich selbst zu Füßen des Supreme zu legen, der mein Guru, dein Guru, jedermanns Guru ist. Du fühlst: “O höchster Herr, nun lege ich mich Dir zu Füßen.” Danach ist deine Meditation vorbei.

Mit welcher Meditationstechnik kann ich positive Kräfte erlangen?

Sri Chinmoy: Bei dieser Meditationstechnik fühle nun bitte, daß du an der Tür deines Herzens stehst und daß du deine Freunde – Liebe, Frieden, Licht, Glückseligkeit, Kraft und andere Freunde, die du verehrst und schätzt – gebeten hast, einzutreten. Du wirst an der Tür deines Herzens stehen und auf ihre Ankunft warten. Wenn du sie kommen siehst, wirst du sie bitte einlassen. Wenn aber andere kommen, die du nicht eingeladen hast, erlaube ihnen nicht einzutreten. Kompliziertheit, Unaufrichtigkeit, Unreinheit, Unsicherheit, Zweifel, Eifersucht und andere negative Kräfte sind alle ungebetene Gäste. Wenn du sie an der Tür zu deinem Herzen siehst, laß sie bitte nicht eintreten. Fühle bitte, daß Liebe eine menschliche Gestalt angenommen hat, daß Frieden eine menschliche Gestalt angenommen hat, daß Licht eine menschliche Gestalt angenommen hat, daß Glückseligkeit eine menschliche Gestalt angenommen hat. Ebenso haben Eifersucht, Unsicherheit, Zweifel, Unreinheit, Kompliziertheit und andere negative Kräfte menschliche Züge und Formen angenommen – du kannst sie mit deinen menschlichen Augen sehen. Erlaube also bitte deinen eingeladenen Freunden einzutreten. Diejenigen aber, die nicht deine Freunde sind, die ungebeten sind, werden gezwungen sein, draußen zu bleiben. Es wird ihnen nicht gestattet, durch die Tür deines Herzens zu treten. Wenn du jeden Tag auch nur an einen einzigen Freund denken kannst und diesen Freund einlädst, an deiner Herzenstür zu stehen, wird dies der Beginn einer göttlichen Freundschaft sein. Sage dir: “Heute werde ich nur meinem Freund Liebe erlauben einzutreten und sonst niemandem. Morgen werde ich meinem Freund Freude erlauben einzutreten, und übermorgen werde ich meinen Freund Frieden einladen hereinzukommen.” Du kannst auch sagen: “Ich habe mich erheblich weiterentwickelt. Ich habe die Fähigkeit, mehr als einen Freund einzuladen. Ich werde zweifellos alle meine Freunde – Liebe, Freude, Frieden, Licht und Glückseligkeit – einladen. Bis jetzt hatte ich nicht die Möglichkeit, mehr als einen Freund auf einmal zu nähren. Daher konnte ich nur einen Freund einladen. Nun kann ich alle meine göttlichen Freunde einladen und ihnen erlauben, in mein Herzenszimmer zu treten.

Mit welcher Meditationstechnik kann ich Intensität erreichen?

Sri Chinmoy: Bei dieser Meditationstechnik versuche zu fühlen, daß sich all deine Stärke, all deine Entschlossenheit und Willenskraft an einem bestimmten Ort befinden, hier in deinem Herzen. Fühle, daß du überhaupt nicht existierst, außer an diesem winzigen Ort. Du hast keine Augen, du hast keine Nase, du hast nichts. Intensität wird nur entstehen, wenn du fühlst, daß dein ganzes Wesen auf einen bestimmten Ort konzentriert und nicht zerstreut ist.

Wie kann ich Meditationstechniken anwenden, um auf eine Blume zu meditieren?

Sri Chinmoy: Ich habe dir eine Blume gegeben. Bitte betrachte die Blume einige Sekunden lang. Während du dich auf sie konzentrierst, versuche zu fühlen, daß du selbst diese Blume bist. Versuche gleichzeitig zu fühlen, daß diese Blume im tiefsten Inneren deines Herzens wächst.
Versuche, dich dann allmählich auf ein bestimmtes Blütenblatt der Blume zu konzentrieren. Fühle, daß dieses Blütenblatt, das du ausgewählt hast, die Keimform deiner Wirklichkeitsexistenz ist. Konzentriere dich nach ein paar Minuten wieder auf die ganze Blume und fühle, daß sie die universelle Wirklichkeit ist. Gehe auf diese Weise vor und zurück, indem du dich zuerst auf das Blütenblatt – die Keimform deiner Wirklichkeitsexistenz – und dann auf die ganze Blume – die allumfassende Wirklichkeit – konzentrierst. Erlaube dabei bitte keinem einzigen Gedanken, in deinen Verstand einzudringen. Versuche, deinen Verstand absolut ruhig und still zu halten und lasse deine Augen bitte halb geöffnet.
Schließe nach einer Weile die Augen und versuche, die Blume, auf die du dich konzentriert hast, in deinem Herzen zu sehen. Konzentriere dich dann mit geschlossenen Augen auf die Blume in deinem Herzen, und zwar auf dieselbe Weise, wie du dich zuvor auf die physische Blume in deiner Hand konzentriert hast.
Eine Blume ist der Inbegriff der Reinheit. Versuche nun zu fühlen, daß dein Herz so rein geworden ist wie die Blume.

Mit welchen Meditationstechniken kann ich unendliche Konzentrationskraft erlangen?

Sri Chinmoy: Wenn du mit Meditationstechniken Konzentrationskraft erlangen möchtest, identifiziere dich mit dem kleinstmöglichen Gegenstand. Nur dann wirst du unendliche Kraft erlangen. Gott hat nicht deswegen unendliche Kraft, weil Er die Weite selbst ist, sondern weil Er sowohl in einem Elefanten als auch in einer Ameise ist. Gott ist allmächtig, weil Er beides sein kann: Elefant und Ameise. Er ist das Unendliche, und Er ist das Endliche. Und gerade weil Er gleichzeitig endlich und unendlich ist, ist er allmächtig. Wenn du also durch Meditation Kraft erhalten möchtest, denke nur an die Unendlichkeit selbst, denn in ihr ist Gottes unendliche Kraft. Wenn du aber Kraft durch deine Konzentration entwickeln willst, denke an etwas sehr Feines und sehr Kleines.

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