Meditation

"Meditation ist wie auf den Grund des Meeres tauchen", sagt der spirituelle Lehrer Sri Chinmoy, "alles ist ruhig und still." Meditationsübungen und Meditationstechniken sind daher die Grundlage einer authentischen, tiefen Freude, welche alleinig dieser Stille entspringen kann. Aus diesem Grund können die nachstehenden Meditationstexte Sri Chinmoys mit seinen ausführlichen Meditations-Anleitungen und Yoga-Anleitungen helfen, bewusst Meditieren zu lernen und somit das wahre, innere Selbst wieder zu entdecken. Jenes Selbst, welches Äonen lang geheimnisvoll im Verborgenen lag und die ursprüngliche Quelle aller Freude ist.

Was bedeutet Meditation?

Sri Chinmoy: Meditation ist so, als würde man auf den Grund des Meeres tauchen, wo alles ruhig und still ist. Auf der Oberfläche mag es vielleicht eine Vielzahl von Wellen geben, das Meer darunter bleibt davon aber unberührt. In seinen tiefsten Tiefen ist das Meer vollkommene Stille. Wenn wir zu meditieren beginnen, versuchen wir zuerst, unser inneres Wesen, unser wahres Wesen – sozusagen den Grund des Meeres – zu erreichen. Wenn dann die Wellen aus der äußeren Welt kommen, werden wir davon nicht berührt. Angst, Zweifel, Sorge und aller irdischer Aufruhr werden einfach weggespült, da in uns solider Friede herrscht. Gedanken können uns nicht berühren, da unser Verstand reiner Frieden, reine Stille, reines Einssein ist. Wie Fische im Meer springen und schwimmen sie, hinterlassen aber keine Spur. Wenn wir uns also in unserer höchsten Meditation befinden, fühlen wir, daß wir das Meer sind und uns die Tiere des Meeres nichts anhaben können. Wir fühlen, daß wir der Himmel sind und alle vorbeifliegenden Vögel uns nichts anhaben können. Unser Verstand ist der Himmel, und unser Herz ist das unendliche Meer. Das ist Meditation.

Es meditiert

Meditation am schönen Rheinufer.
Ich saß schon eine ganze Weile am schönen Rheinufer und warf kleine, abgerundete Steinchen ins bläulich schimmernde Wasser. Manche von ihnen, wenn sie in einem ganz bestimmten Winkel aufgekommen waren, sprangen drei-, vier-, oder sogar fünfmal aus dem Fluss heraus, bevor sie endgültig in dessen mysteriösen Tiefen verschwanden. Ich war vollkommen in diese Tätigkeit vertieft und bemerkte gar nicht, wie langsam und stetig die Sonne am strahlend, wolkenlosen Horizont unterging. Erst als der Fluss sich im reflektierenden Abendlicht rötlich färbte wurde mir bewusst, dass der warme Sommertag nun doch zu Neige ging. Ich setzte mich auf einen größeren Stein und blickte auf das ruhig dahinfließende Wasser. Meine Gedanken versenkten sich darin und wurden von den immer währenden kleinen Wellen davon getragen.

Die aufkommende Stille.
Alles geschah ohne die geringste Anstrengung. Ich trat in die aufkommende Ruhe ein und ließ meinen Blick absichtslos über den Strom schweifen. "Meditation ist Schönheit. Schönheit ist Meditation", sagte der spirituelle Lehrer Sri Chinmoy einmal. Und tatsächlich, wie treffend mir diese Worte doch jetzt erschienen! Die Schönheit des Flusses, die Schönheit der letzten Abendstrahlen, wie sie schwerelos über den Strom glitten und ihn in ein sphärisches Licht tauchten, die Schönheit der Stille, welche dieses Schauspiel stumm begleitete und nicht zuletzt das Wiegen der mächtigen Baumkronen am Rheinufer, als wollten sie damit ihre wortlose Begeisterung kundtun. Und langsam, langsam brach die Nacht herein. Verebbt war das Spiel der Natur, wie auch der Tanz meiner Gedanken - um mich herum meditierte die Welt, bis zum ewigen Neubeginn der täglichen Wiederkehr.

Wie kann ich meinen Verstand während der Meditation ins Herz bringen?

Sri Chinmoy: Fühle, daß es in deinem Herzen etwas gibt, das unendlich viel stärker ist als der Verstand. Fühle die Seele und bringe sie aus der Tiefe deines Herzen hervor.
Fühle, daß die Seele immense Kraft besitzt. Du siehst die Seele vielleicht nicht, aber bringe trotzdem deine innere Stärke hervor und vereinnahme damit den Verstand. Sage dem Verstand: “Du hast mir erlaubt, einige Minuten lang still zu sein, und ich bin dir dafür dankbar. Aber ich bete und meditiere immer noch und sehne mich noch immer nach mehr Frieden, Licht und Seligkeit, und nun erlaubst du mir nicht, damit weiterzumachen.”
Ergreife einfach den Verstand und setze ihn in den Strom deines Herzens. Solange er dich meditieren läßt, brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Aber wenn er anfängt, dich zu stören und du Kopfweh bekommst, bedeutet das, daß er sich widersetzt. Er erlaubt dir nicht, noch mehr Frieden und Licht von oben zu erhalten.
Nimm einfach deinen Verstand und fühle, daß er wie ein ungezogenes Kind ist. Zuvor schlief das Kind und ließ die Mutter meditieren und zu Gott beten. Aber nun ist das Kind wach und möchte Unfug treiben. Es will der Mutter nicht erlauben, weiterhin zu beten und zu meditieren, um noch mehr Frieden, Licht und Seligkeit zu erhalten. Was also wird die Mutter tun? Sie wird das Kind ermahnen und zu ihm sagen: “Ich bete und meditiere noch. Du darfst mich nicht belästigen, du darfst mich nicht stören, sonst werde ich dich bestrafen."

Was ist das Geheimnis der Meditation?

Sri Chinmoy: Wenn du eine außergewöhnliche Konzentrationsfähigkeit erlangen möchtest, versuche folgendes: Nimm eine Idee und versuche, aus dieser Idee etwas Lebendiges zu machen. Projiziere es dann in Augenhöhe an die Wand. Wenn das zu schwierig ist, nimm anstelle einer Idee irgendeinen materiellen Gegenstand und stelle ihn an die Wand. Halte deine Augen geöffnet. Es ist immer besser, sich mit geöffneten Augen zu konzentrieren. Blicke den Gegenstand an und beginne dich zu konzentrieren. Dringe nun in den Gegenstand ein. Du mußt deine gesamte Aufmerksamkeit aufwenden und durch den Gegenstand hindurch auf die andere Seite gehen. Wenn du auf die andere Seite gelangt bist, beginne dich von dort aus zu konzentrieren. Du bist auf der einen Seite und dein Körper auf der anderen. Konzentriere dich von der anderen Seite aus und blicke von dort auf deinen eigenen Körper.
Zuerst versuchst du, deine Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Gegenstand zu lenken, dann trittst du in diesen ein und gehst anschließend über ihn hinaus. In diesem Augenblick wirst du der Zeuge oder satshepurusha. Das ist wirkliche Konzentration. Das ist das Geheimnis der Meditation. Wenn du es kennst, kannst du dich auf höchst wirksame Weise konzentrieren.
Frage: Das Geheimnis ist also, sein eigener Beobachter zu sein?
Sri Chinmoy: Ganz genau.
Frage: Ist es so, als würde man dastehen und sich selbst betrachten?
Sri Chinmoy: Ja, aber zuerst muß man in den Gegenstand eintreten und dann über ihn hinausgehen. Dann kommst du zu dir selbst zurück und wirst zum Beobachter.

Wie kann ich die Kraft der Meditation und Konzentration entwickeln?

Sri Chinmoy: Wenn du die Kraft der Konzentration entwickeln möchtest, mache bitte folgendes: Bevor du dich konzentrierst, wasche dein Gesicht und deine Augen gründlich mit kaltem Wasser. Male dann einen schwarzen Punkt in Augenhöhe an die Wand. Stelle dich so hin, daß du auf den Punkt aus einer Entfernung von ungefähr 30 cm blicken kannst, und konzentriere dich auf ihn. Versuche nach ein paar Minuten zu fühlen, daß beim Einatmen dein Atem aus dem Punkt kommt und daß auch der Punkt einatmet, indem er seinen Atem von dir erhält. Versuche zu fühlen, daß es zwei Personen gibt: dich und den schwarzen Punkt, den du an die Wand gemalt hast. Dein Atem kommt von diesem Punkt, und sein Atem kommt von dir. Wenn deine Konzentration sehr stark ist, wirst du nach zehn Minuten fühlen, daß deine Seele dich verlassen hat und in den schwarzen Punkt an der Wand eingetreten ist. Versuche in diesem Moment zu fühlen, daß du und deine Seele sich gegenüberstehen. Deine Seele bringt dich in die Seelenwelt zur Verwirklichung, und du bringst die Seele in die physische Welt zur Manifestation. Auf diese Weise kannst du deine Konzentrationskraft sehr leicht entwickeln. Aber diese Methode muß geübt werden. Es gibt vieles, das mit Übung sehr leicht wird, aber wenn wir nicht üben, erhalten wir auch kein Ergebnis.

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