Handeln

Handeln ist besser als Nicht-Handeln, sagen die alten indischen Schriften. Ein Mensch der äußeren Tat ist ein kraftvoller und mutiger Streiter auf der Erdenbühne. In diesem Handeln, diesem vorwärts gerichtetem Streben, findet er Erfüllung, Freude und letztendlich sich selbst.

Müssen wir handeln, um Erfüllung zu finden?

Sri Chinmoy: Wenn du glaubst, dass du dich aus dem äußeren Leben zurückziehen musst, um Frieden zu erlangen, unterliegst du einem großen Irrtum. Im Rückzug aus dem Leben werden wir niemals Erfüllung finden. Im Tätigsein machen wir Fortschritt und erreichen etwas. Im Handeln, im schöpferischen Tun und in der Manifestation finden wir Erfüllung und Zufriedenheit.
Betrachten wir einen Fluss. Ein Fluss fließt unaufhörlich in Richtung Meer. Er trägt dabei alle möglichen Dinge mit sich – Schmutz, Steine, Blätter, Sand –, die er auf dem Weg zu seinem Ziel aufnimmt, doch er bleibt stets in Bewegung. Wir sollten unser Leben auch als einen Fluss sehen, der dem Meer der Erfüllung entgegenströmt. Wenn wir Angst davor haben zu handeln, weil wir nicht mit den Unvollkommenheiten der äußeren Welt in Berührung kommen wollen, werden wir unser Ziel niemals erreichen.
Wir müssen handeln. Wenn wir uns aus dem Leben zurückziehen, erklären wir damit Gott bewusst und in voller Absicht, dass wir in Seinem Spiel nicht mitspielen wollen. Wenn wir allerdings ein bestimmtes Ergebnis von unserem Handeln erwarten, wird Frieden niemals in unser Leben einkehren. Wir werden enttäuscht sein, wenn das Ergebnis nicht unseren Erwartungen entspricht. Wir werden denken, dass wir versagt haben. Wenn das geschieht, kann es für uns natürlich keinen Frieden geben.
Wir sollten fühlen, dass Handeln selbst ein großer Segen ist; das Ergebnis unserer Handlung jedoch müssen wir als eine Erfahrung betrachten. Mit unserer eigenen begrenzten Sichtweise werden wir das Resultat entweder als Fehlschlag oder als Erfolg auffassen. Aus der Sicht Gottes jedoch sind Misserfolg wie Erfolg nur Erfahrungen, die helfen, unser Bewusstsein weiterzuentwickeln. Was auch immer geschieht, wir sollten das Ergebnis unseres Handelns als die Erfahrung ansehen, die Gott uns geben wollte. Heute gibt Er uns vielleicht die Erfahrung des Misserfolgs. Morgen kann Er uns eine andere Erfahrung geben, die uns äußerlich zufrieden stellt. Welches Ergebnis wir auch immer von unserem Handeln erhalten, wir sollten stets versuchen, damit zufrieden zu sein.

Was sollten wir beim Handeln fühlen?

Sri Chinmoy: Wenn wir arbeiten, können und sollten wir fühlen, dass wir für Gott arbeiten. Im Augenblick magst du deine äußere Arbeit einfach nur als Arbeit ansehen. Doch wenn du Arbeit als eine Gelegenheit betrachten kannst, deine göttlichen Fähigkeiten auszudrücken oder deine guten Eigenschaften zum Vorschein zu bringen, dann arbeitest du in diesem Augenblick ganz gewiss für Gott. Wenn du bewusst fühlst, dass du für Gott arbeitest, bewegst du dich auf dein Ziel der Vollkommenheit zu.
Versuche, in all deinen Tätigkeiten die Anwesenheit Gottes zu fühlen. Während du beispielsweise dein Kind fütterst, stell dir vor, dass du Gott in ihm nährst. Während du dich mit jemandem im Büro unterhältst, kannst du dir vorstellen, zum Göttlichen in diesem Menschen zu sprechen.

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