Glauben

Besser eine flüchtige Stunde des Glaubens mit Dir, als ohne Dich ein Leben von tausend Jahren. Ohne Glauben kann es keine wirkliche Freude und Erfüllung geben. Daher versucht der Yogi, diesen Glauben in sich selbst zu entdecken.

Was ist Glauben wirklich?

Sri Chinmoy: Glaube ist das Auge, das Gott und der Mensch gemeinsam besitzen. Das Auge des Glaubens sieht die Zukunft in der Unmittelbarkeit der Gegenwart. Wenn wir an das spirituelle Leben glauben, dann stolpern wir nicht, wir gehen nicht, wir marschieren nicht – nein, wir rennen! Wenn wir bedingungslosen Glauben an Gott, den inneren Führer, und an unser eigenes Streben besitzen, dann laufen wir ständig mit Höchstgeschwindigkeit unserem Ziel entgegen.
Jesus Christus sagte: „Selig sind, die glauben ohne zu sehen.“ Menschen, die nur glauben, was sie mit ihren bloßen Augen sehen können, genießen nur die halbe Frucht. Die Wahrheit zu analysieren bedeutet, sie zu verlieren. Wahrheit ist eine Frage der Identifikation. Das ist die erhabene Aussage Jesu über Glauben und Zweifel. Selig sind die, die Glauben besitzen, ohne jeden Augenblick nach einem Beweis zu fragen.
Was du Glauben nennst, nenne ich das Vorauswissen der Seele um die höchste Wahrheit. Glaube sagt uns nicht nur, was Gott ist, sondern auch, was Gott in jedem Augenblick für uns tun kann. Dieser Glaube ist unser lebendiger Atem in Gott dem Allwissenden und Gott dem Allmächtigen.

Wie sehr hilft mir der Glaube eines Kindes?

Sri Chinmoy: Du bist Gottes Kind, nicht Gottes Sklave. Wenn du Gott als deinen Vater betrachten kannst, kannst du sagen: „Mein Vater ist reich, mein Vater ist groß, mein Vater ist gütig. Er wird mir mit Sicherheit einen Teil seiner Güte, Seiner Größe und Seines Reichtums geben.“ Das ist das spontane Gefühl eines Kindes.
Wie willst du an dich selbst glauben, wenn du dir vorstellst, Gott sei dein Herr und du seist Sein Sklave? Ein Sklave wird sagen: „Heute ist er mein Herr, doch morgen schon mag er mich hinauswerfen.“ Ein Sklave kann den Reichtum oder die Fähigkeiten seines Herrn nicht als sein Eigentum beanspruchen. Ein Kind jedoch kann das.
Wenn du Glauben an dich selbst haben willst, musst du zuerst fühlen, welche Art von Verbindung oder Beziehung du mit deinem inneren Führer aufgebaut hast. Wenn es die Beziehung zwischen Vater und Kind ist, zwischen Mutter und Kind oder zwischen Liebendem und Geliebtem, wenn es die Beziehung zwischen zwei zutiefst vertrauten, engsten Freunden ist, dann kannst du von Gott alles erwarten. Wenn du jedoch diese Art süßen Einsseins zwischen dir und Gott nicht herstellen kannst, wie kannst du dann irgendeinen Glauben aufrechterhalten? Wenn du denkst: „Gott ist in weiter Ferne. Er ist der Höchste Herr und ich bin nur ein bedeutungsloses Geschöpf,“ dann kann es darin kein Gefühl von Einssein geben. Wenn du dich selbst als winzige Ameise empfindest und Gott als riesigen Elefanten, wirst du natürlich sagen: „Wie kann ich irgendeine Stärke oder Fähigkeit besitzen? Ich bin so schwach und bedeutungslos.“ Wenn du Gott als jemanden betrachtest, der mehr als begierig darauf ist, dir zu geben, was Er hat, dann wirst du fühlen: „Die Stärke, die Gott besitzt, ist für mich bestimmt. Wenn die Zeit reif ist, wird Er sie mir geben.“ Wenn du ein solches Gefühl aufgebaut hast, wenn du fühlst, dass dein Vater dir alles geben wird, was du brauchst, dann wirst du automatisch unerschütterlichen Glauben besitzen.

Wie kann ich den Samen des Glaubens säen?

Sri Chinmoy: Wenn etwas wahr ist, wirst du es im tiefsten Innern deines Herzens fühlen, auch wenn es dazu manchmal ein wenig Zeit brauchen mag. Nachdem ein Samen gesät ist, dauert es einige Monate, bis er zu keimen beginnt. In einem Jahr wird daraus ein Schößling, und schließlich wächst er zu einem riesigen Banyanbaum heran.
Sobald du beginnst, dich für das spirituelle Leben zu interessieren, hast du den Samen gepflanzt. Du magst das Ergebnis nicht sofort sehen. Du wirst Licht und Frieden spüren, doch zuerst musst du Glauben haben. In deinem Körper befinden sich eine Reihe von Organen: das Herz, die Lungen und so weiter. Du glaubst das, weil die Ärzte und andere das sagen. Obwohl du diese Organe nicht sehen kannst, weißt du, dass sie vorhanden sind. Mit der inneren Welt ist es ähnlich: Auch wenn du etwas im Augenblick nicht siehst, kannst du nicht sagen, es existiere nicht. In deinem inneren Leben gibt es viele Dinge, deren du dir im Augenblick nicht gewahr sein magst, doch wenn du seelenvoll betest und meditierst und mehr Glauben an das entwickelst, was du von spirituellen Suchern und Meistern gehört hast, dann wirst du letztendlich sehen, dass sie völlig recht haben.
Du musst mit Glauben beginnen – aufrichtigem, echtem, höchstem Glauben. Dieser Glaube wird dich nicht in die Irre führen. Wenn du ein spirituelles Buch liest, birgt dieses Buch Licht in sich. Während du liest, spürst du vielleicht nicht sofort Licht in diesem Buch, aber dennoch legst du es nicht zur Seite. Du hast ein wenig Glauben an die Botschaften, die das Buch enthält. Du meditierst auf die Worte und Ideen, von denen das Buch spricht, und schließlich fühlst du tatsächlich Licht. Das Buch enthält eine verborgene Wirklichkeit. Wenn du beim Lesen an diese verborgene Wirklichkeit glaubst, wirst du im Laufe der Zeit Erleuchtung erlangen. Doch du musst das Buch erst lesen, um das Wesentliche, die Quintessenz des Buches zu erhalten.
Auf ähnliche Weise musst du beten und meditieren, bevor du deine eigene Göttlichkeit fühlen kannst. Sei nicht traurig und ärgere dich nicht, wenn du deine innere Göttlichkeit im Augenblick noch nicht fühlen kannst. Bete und meditiere aufrichtig, dann wird durch deinen Glauben deine wahre Göttlichkeit eines Tages deutlich sichtbar werden. Gib nicht gleich auf, wenn du zu Beginn deines spirituellen Lebens nicht sofort höhere Erfahrungen oder Verwirklichungen hast. Wenn du im Augenblick in den Tiefen deines Herzens noch nichts Göttliches, Erleuchtendes, Erfüllendes und Vollkommenes fühlst, mach dir nichts daraus. Es braucht Zeit, freien Zugang zur inneren Welt zu erhalten. Doch wenn du einmal freien Zugang zur inneren Welt hast, wirst du sehen, dass sie von Licht und Wonne durchdrungen ist.

Ist Glaube die Abwesenheit von Zweifel?

Sri Chinmoy: Die Abwesenheit von Zweifel ist eine Sache, doch Glaube, echter Glaube, ist etwas anderes. Das Studium von Büchern und Schriften kann uns Informationen und ein gewisses Verständnis schenken. Im besten Fall kann es uns Inspiration geben, aber nicht mehr. Durch das Übernehmen fremder Ideen können wir in unserem inneren Leben niemals wahrhaft erleuchtet werden. Nur indem wir das ewige Buch der Wahrheit in unserem Innern studieren, indem wir beständig auf die Stimme unseres inneren Selbst hören, können wir spirituell erleuchtet werden. Dann werden wir auch Freude in unserem äußeren Leben finden. Wir müssen zuerst Gott sehen und dann können wir gottähnlich werden. Wenn wir wahrhaft gottähnlich werden wollen, muss unser Reden dem Werden weichen.

Hat mein Zweifel irgendeine Berechtigung?

Sri Chinmoy: Dein Zweifel ist unbegründet. Obwohl dein Streben vielleicht nicht dieselbe Intensität haben mag wie das des anderen, solltest du fühlen, dass Gott niemals ganz erfüllt sein wird, ehe du Ihn nicht verwirklicht hast. Gottes Existenz braucht Erfüllung in dir und durch dich. Wenn dein Freund Gott verwirklicht hat, du aber noch unverwirklicht bist, dann sei versichert, dass Gott unerfüllt bleibt. Er wird erst an dem Tag erfüllt sein, an dem alle Menschen Ihn verwirklicht haben werden.
Vielleicht hast du unerschütterlichen Glauben an Gottes Existenz, doch du zweifelst an Gottes Mitleid. Du magst fragen: „Ist Gott wirklich voller Mitleid? Ich habe so viele Dinge in meinem Leben falsch gemacht. Wird Er mir dennoch Sein Erkenntnislicht schenken? Warum sollte Er mir Sein bedingungsloses Mitleid gewähren?“ Um diese Art von Zweifel zu überwinden, solltest du dich daran erinnern, dass du einmal eine Seele in der Seelenwelt gewesen bist. Wer brachte deine Seele in diese Welt? Gott. Bevor du der Spiritualität, der Göttlichkeit und der Wirklichkeit gewahr wurdest, gab dir Gott das Leben. Gott gab dir die Botschaft der Göttlichkeit. Du siehst, wieviel Gott dir schon gegeben hat, obwohl du nie bewusst um diese Dinge gebeten hast. Es ist alles durch deine Seele zu dir gekommen. Wer hat deine Seele erschaffen? Gott. Wer schenkte sie dir? Gott. Wer wird sich durch deine Seele erfüllen? Wieder Gott. Du kannst also leicht aufhören, an Gottes Anteilnahme zu zweifeln.
Es ist Gottes Aufgabe, Sich selbst auf der Erde zu erfüllen und zu manifestieren. Wenn du bewusst strebst, wird es einfacher für Ihn, Sich durch dich zu erfüllen und zu manifestieren. Wenn du Ihm deine Aufrichtigkeit und dein Streben anbietest und einen Schritt auf Ihn zugehst, wird Er dir neunundneunzig Schritte entgegengehen. Du gibst, was du kannst, und Gott wird dir nicht nur geben, was Er hat, sondern auch was Er ist. Was Er hat, ist unendliche Anteilnahme, und was Er ist, ist unendliches Licht.

Ist es schlimmer an sich selbst oder an Gott zu zweifeln?

Sri Chinmoy: Wenn du an Gott zweifelst, wird Gott dadurch keine Seiner unbegrenzten Fähigkeiten verlieren. Zweifle an Gottes Existenz, falls du das willst, denn Er steht nicht unmittelbar vor dir. Du siehst Ihn nicht und fühlst Ihn nicht bewusst. Aber zweifle nicht an dir selbst. Wenn ein anderer Mensch Gott erkannt hat, warum solltest du dann nicht dasselbe tun können? Derselbe Gott, der in diesem Menschen existiert, existiert auch in dir. Alle Seelen sind von derselben Quelle gekommen, die Gott ist. Wenn ein Mensch Gott durch das innere Streben seiner Seele erkennt und verwirklicht hat, dann kannst du das ebenfalls.

Wann wird uns Zweifel verlassen?

Sri Chinmoy: Zweifel wird uns verlassen, wenn wir fühlen, dass wir dazu bestimmt sind, etwas für Gott zu tun. Der Ausdruck “dazu bestimmt” gibt uns enorme Kraft und bringt grenzenlosen Mut hervor. Selbst wenn jemand von Natur aus schwach ist, wird aus der inneren Welt sofort Heldenhaftigkeit hervortreten, sobald er sagt, er sei dazu bestimmt, für Gott zu arbeiten. Er wird gegen jegliches Hindernis mit einer Kraft und einer inneren Entschlossenheit kämpfen, die ihn selbst überraschen wird. Hindernisse können in Gestalt von Unreinheit, Dunkelheit, Eifersucht, Furcht und Zweifel auftreten, doch der Ausdruck “dazu bestimmt” wird den Stolz all dieser negativen Kräfte brechen. Alles Ungöttliche muss vor diesem Ausdruck in die Knie gehen. Wenn wir also die innere und äußere Überzeugung besitzen, die uns sagt, dass wir dazu bestimmt sind, Gott zu dienen, dann können wir unser Ziel ganz gewiss erreichen.
Wenn Zweifel oder andere negative Kräfte in dich eindringen, betrachte sie wie ein Äffchen, das dich ständig belästigt. Du betest und meditierst, und hier kommt das Äffchen und stört dich. Du lässt das Äffchen seine Spiele treiben, denn du bist geduldig. Zwischen deiner Geduld und den frechen Streichen des Äffchens findet ein Wettstreit statt. Weil du ein Sucher bist, wirst du mehr Geduld haben als jemand, der kein inneres Streben besitzt. Das Äffchen besitzt kein inneres Streben, daher kann seine Geduld es niemals mit dir aufnehmen. So wie wir ein Ego haben, besitzt auch das Äffchen eine Art Ego. Wenn du ihm keine Beachtung schenkst, wird es schließlich finden, dass es unter seiner Würde ist, dich zu belästigen. Geduld hat die Fähigkeit, falsche Kräfte aufzulösen, und wenn du Geduld hast, können die negativen Kräfte niemals gewinnen.

Wie kann ich meinen Zweifel überwinden?

Sri Chinmoy: Der beste und wirkungsvollste Weg, den Zweifel zu überwinden, ist sich vorzustellen, dass man durch und durch Sicherheit ist. Fühle, dass du reiner Mut bist. Versuche dich immer mit dem Positiven zu identifizieren. Im Augenblick identifizierst du dich vielleicht unglücklicherweise mit dem Zweifel und glaubst, dies sei die Wirklichkeit. Doch wenn du deine Haltung änderst, wirst du sagen, dass Zweifel nicht die Wirklichkeit ist, dass Furcht nicht die Wirklichkeit ist, sondern dass die wirkliche Wirklichkeit Glaube ist, dass die wirkliche Wirklichkeit Mut ist. Wie kannst du das erreichen? Wenn der Zweifel kommt, solltest du an das Gegenmittel denken: Glaube. Wenn Zweifel in deinen Verstand eintritt, dann sprich sofort das Wort „Glaube“ aus. Sag dir einfach: „Ich bin Gottes Kind. Wie kann ich an mir selbst zweifeln, wie kann ich an anderen zweifeln, wie kann ich an Gott zweifeln?“
Zweifel werden wir nie durch Wunschdenken allein überwinden können. Wir müssen dazu eine aufrichtige Anstrengung machen. Wenn wir uns mit dem Verstand identifizieren, werden wir nicht die Kraft haben, den Zweifel zu überwinden, weil der Verstand selbst unbewusst oder bewusst den Zweifel hegt. Die Seele jedoch hat mehr Macht als der Verstand. Deshalb sollten wir versuchen, uns mit dem Licht der Seele zu retten. Wir sollten jeden Tag versuchen, das Licht der Seele in uns zu fühlen, ehe der Zweifel Gelegenheit hat, in unseren Verstand einzudringen. Jedes Mal, wenn Zweifel kommen, sollten wir fühlen, dass die Seele uns nicht nur beschützt, sondern uns auch ein neues Leben schenkt – ein Leben beständigen und reichen Glaubens, nicht nur an Gott, sondern auch an uns selbst.

Haben Zweifel und Furcht einen Stolz?

Sri Chinmoy: Deine neuen Freunde sind Glaube und Mut. Diese beiden Freunde waren immer bei dir, doch du hast dich nie um sie gekümmert. Was passiert nun, wenn du deine Freunde wechselst? Am Anfang werden deine alten Freunde, Furcht und Zweifel, versuchen, dich zurückzugewinnen, denn sie wollen deine Freundschaft nicht verlieren. Doch bald werden sie das Gefühl haben, dass es unter ihrer Würde ist, sich mit dir abzugeben, und sie werden sich sagen: „Lass ihn nur gehen. Wenn ihm nichts an uns liegt, wenn er uns nicht braucht, dann brauchen wir ihn auch nicht.“ Es ist wie bei menschlichem Stolz. Wenn wir einen Freund verlieren, versuchen wir zuerst, ihn zurückzugewinnen. Wenn wir jedoch sehen, dass der Fall aussichtslos ist, kommt unser Ego und wir sagen: „Wenn er uns nicht braucht, brauchen wir ihn auch nicht.“ Auf diese Weise verlassen uns Zweifel und Furcht, wenn wir uns mit Glauben und Mut anfreunden.

Was ist der größte Feind in unserem inneren Leben?

Sri Chinmoy: Zweifel ist der denkbar größte Feind in unserem inneren Leben. Er raubt uns all unseren wertvollen inneren Reichtum. Zweifel ist ein schleichendes Gift. Warum? Weil der Zweifel beginnt, sich selbst zu bezweifeln. Heute zweifelst du an jemand anderem und morgen zweifelst du an dir selbst. Heute gelangst du zu einer Überzeugung und morgen verschlingt dich eine neue Welle des Zweifels. Das bedeutet nicht, dass der Zweifel von heute weggespült wird. Nein, er ist nur durch einen anderen Zweifel ersetzt worden.
Du hast den Zweifel sehr lange Zeit als deinen Freund betrachtet. Wenn du nicht das Gefühl gehabt hättest, der Zweifel sei dein wahrer Freund, wärest du nicht bei ihm geblieben. Doch sobald du einen besseren Freund in dein Leben treten siehst, wirst du dich nicht wie ein Narr verhalten. Du wirst dir sagen: „Jetzt ist ein neuer Freund in mein Leben getreten und ich sehe, dass dieser Freund mich zu einem höheren Ziel führen wird.“

Wie kann ich meinen Glauben stärken?

Sri Chinmoy: Wie jede gute Eigenschaft, so ist auch Glaube ein Geschenk Gottes. Doch Glaube kann auch durch unsere persönliche Bemühung vertieft werden. Durch Beten oder Meditieren können wir unseren Glauben stärken. Glaube ist wie ein Muskel. Wenn wir trainieren, entwickeln wir unsere Muskeln. Genauso kann unser Glaube gestärkt werden, wenn wir ihn trainieren. Viele Menschen beginnen das spirituelle Leben aus Neugierde. Sie besitzen nur sehr wenig Glauben, aber dennoch treibt sie etwas dazu an, weiterzumachen. Später spüren sie in sich das Erblühen eines tieferen Glaubens. Wer einen spirituellen Weg geht, wird schließlich unweigerlich stärkeren Glauben entwickeln.
Ein Weg, mehr Glaube zu entwickeln, besteht darin, mit Menschen zu verkehren, die schon Glauben besitzen. Es ist ähnlich, wie wenn man mit einem Menschen zusammen ist, der mehr Wissen besitzt als man selbst: das eigene Wissen wird gefördert. Wenn du mit jemandem zusammen bist, der mehr Glaube besitzt, wird auf die gleiche Weise deine eigene Glaubensflamme entfacht. Wenn du das Gefühl hast, jemand besitze mehr Glauben an Gott als du selbst, dann suche seine Nähe. Selbst wenn du nicht die Gelegenheit erhalten solltest, mit ihm zu sprechen, wird allein seine Gegenwart den Glauben in dir stärken. Für dich als Suchenden ist es ratsam, die Gegenwart von Menschen zu suchen, die größere Fähigkeiten und stärkeres Streben haben als du selbst. Dein Herz wird dabei unbewusst wie ein göttlicher Magnet wirken, der die göttlichen Eigenschaften der anderen anzieht.

Wie wichtig ist ein fester Glaube?

Sri Chinmoy: Im Leben eines Suchers ist das Glaubens-Glücklichsein ein Gegenmittel zu Zweifels-Trübsal.
Glücklichsein ist die Bejahung der Glaubens-Sonne und die Verneinung der Zweifels-Nacht.
Bevor du den Glaubens-Raum deines Verstandes öffnest, kannst du nicht in das Erfüllungs-Haus deines Herzens eintreten.
Glaube ist die Krone des Lebens. Er ist die unvergleichliche Motivierungs-Kraft. Im menschlichen Glauben wohnt Gottes wertvollster Reichtum: Zufriedenheit.

Wie kann uns ein starker Glauben helfen, glücklicher zu werden?

Sri Chinmoy: Im spirituellen Leben gibt es eine ganze Reihe von Hindernissen: Angst, Sorgen, Unreinheit, Eifersucht und das Gefühl der Unwürdigkeit, aber das größte Hindernis ist Zweifel. Im Vergleich zum Zweifel sind alle anderen Hindernisse völlig unbedeutend. Heute zweifeln wir an Gott, morgen werden wir an uns selbst zweifeln, und übermorgen werden wir an der Existenz von allem zweifeln. Dann verlieren wir die Fähigkeit, irgend etwas zu tun. Wir brauchen den Glauben an uns selbst und an Gott. Im Glauben erbauen wir uns, und im Zweifel zerstören wir uns. Gott ist reiner Glaube. Gott ist reine Freude. Wenn wir auf Gott meditieren, fordern wir den Zweifel heraus, und im Meer des Friedens und des Selbstvertrauens löst sich unser Zweifel auf.

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