Gedankenkontrolle

Ohne Kontrolle der Gedanken keine wahre Meditation. Der Verstand ist wie ein unruhiges Äffchen, sagt der Meditationsmeister Sri Chinmoy und gibt wertvolle Tipps, dieses Äffchen zu zähmen.

Wie können wir in der Meditation mit guten und schlechten Gedanken tun?

Sri Chinmoy: In jedem Augenblick werden wir von schlechten Gedanken angegriffen oder von guten Gedanken inspiriert. Jeder Gedanke kann in unserem Leben wie eine Atombombe wirken. Wenn wir von einem schlechten Gedanken angegriffen werden, werden wir versuchen, ihn abzuwehren. Wenn wir von einem guten Gedanken berührt werden, werden wir versuchen, ihn zu nähren und zu vergrößern. Wenn wir früh am Morgen anfangen zu meditieren und ein guter Gedanke erscheint, dann sollten wir ihn ausdehnen.
Nehmen wir an, es sei ein Gedanke göttlicher Liebe – nicht menschlicher, emotionaler Liebe, sondern göttlicher, universeller Liebe: “Ich liebe Gott, ich liebe Gottes gesamte Schöpfung.” Liebe kann unser Ideal sein. Liebe kann unser höchstes Ziel sein. Wenn es sich also um göttliche Liebe, um universelle Liebe, transzendentale Liebe handelt, haben wir es mit Gott selbst zu tun.

Wie kann ich durch Meditation gute Gedanken hegen?

Sri Chinmoy: Du kannst damit beginnen, gute Gedanken zu hegen: “Ich möchte gut sein. Ich möchte spiritueller sein. Ich möchte Gott mehr lieben. Ich möchte nur für Ihn da sein.” Laß diese Vorstellungen in dir wachsen. Beginne mit einem oder zwei göttlichen Gedanken: “Heute werde ich völlig rein sein. Ich werde keinen einzigen schlechten Gedanken zulassen, und nur Frieden soll in mich eintreten.” Wenn du nur göttlichen Gedanken gestattest, in dir zu wachsen, wirst du bemerken, daß sich dein Bewußtsein in positiver Weise verändert.
Das beste ist, sich mit dem Bewußtsein seines Meisters zu identifizieren. Wenn du dies aber schwierig findest, beginne mit göttlichen Gedanken. “Heute möchte ich fühlen, daß ich wirklich ein Kind Gottes bin.” Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern tatsächliche Wirklichkeit. Stelle dir die Jungfrau Maria vor, wie sie das Christuskind hält. Fühle, daß die göttliche Mutter dich wie ein Baby in ihren Armen hält. Spüre dann: “Ich möchte wirklich Weisheitslicht besitzen. Ich möchte mit meinem Vater gehen. Wo auch immer er hingeht, ich werde ihm folgen. Ich werde Licht von ihm erhalten.”

Wie lerne ich in der Meditation zwischen guten und schlechten Gedanken zu unterscheiden?

Sri Chinmoy: Es gibt zwei Arten von Gedanken: Gute Gedanken und schlechte Gedanken. Eine Art ist gesund und eine ist ungesund. Ungesunde, ungöttliche Gedanken sind unsere Feinde, wohingegen gute, göttliche Gedanken unsere Freunde sind. Wir stehen an der Tür unseres Hauses, und jemand klopft an. Wir müssen nachsehen, ob es sich um einen Freund oder um einen Feind handelt. Wenn es ein Freund ist, erlauben wir ihm, hereinzukommen. Wenn es ein Feind ist, werden wir ihn nicht hereinlassen. Die Schwierigkeit dabei ist nur, daß die Feinde manchmal sofort hereindrängen, wenn wir die Tür auch nur einen kleinen Spalt öffnen. Was sollen wir also tun? Wir öffnen die Tür erst gar nicht. Wir verriegeln die Tür von innen. Unsere wirklichen Freunde werden nicht weggehen. Sie werden denken: “Etwas ist nicht in Ordnung mit ihm. Normalerweise ist er sehr nett zu uns. Es muß einen besonderen Grund geben, warum er die Tür nicht öffnet.” Aus ihrem mitfühlenden Einssein heraus werden sie unbegrenzt warten.
Unsere Feinde aber wollen uns nur belästigen, quälen und zerstören. Sie werden nur einige Minuten warten. Nach kurzer Zeit werden sie die Geduld verlieren und sagen: “ Es ist unter unserer Würde, hier unsere Zeit zu verschwenden.” Diese Feinde haben ihren Stolz. Sie haben den Stolz noch nicht überwunden und werden sagen: “Wen kümmert es? Wer braucht ihn? Gehen wir und greifen wir jemand anderen an.”
Wenn wir einem Äffchen keine Aufmerksamkeit schenken, wird uns das Äffchen schließlich verlassen und jemand anderen belästigen. Genauso wird ein negativer Gedanke gehen und den Verstand eines anderen beschäftigen. Unsere Freunde aber werden sagen:” Nein, wir brauchen ihn, und er braucht uns. Wir werden ewig auf ihn warten.” Unsere Feinde werden also nach ein paar Minuten weggehen. Dann können wir die Tür öffnen, und unsere liebsten Freunde werden davor stehen und auf uns warten.
Nehmen wir nun einen Gedanken. Du wirst sagen, daß du dich selbstverständlich nur auf gute Gedanken konzentrierst. Aber unglücklicherweise meditieren wir unbewußt doch auf schlechte Gedanken. Eifersucht, Zweifel, Mißtrauen – unbewußt hegen wir sie alle. Wenn schlechte Gedanken dieser Art kommen, mußt du dir vorstellen, daß die schlechten Gedanken eine Person darstellen. Betrachte Eifersucht, Angst, Zweifel und Heuchelei einfach als Menschen und gib ihnen umgehend eine menschliche Gestalt: “Dieser Bursche hat ungöttliche Eigenschaften.” Wenn es ein guter Gedanke ist, gib ihm ebenfalls eine Gestalt: “Dieser Mensch hat alle guten Eigenschaften – Demut, Aufrichtigkeit und so weiter.”
Was tust du dann? Wenn du einen guten Menschen siehst, fühle, daß er dich führt, und versuche, ihm so lange zu folgen, wie er es wünscht. Wenn du aber einen schlechten Menschen siehst – einen Menschen voller Angst, Unruhe und ähnlichem –, dann fühle, daß er dich gnadenlos jagen wird und du sofort vor ihm davonlaufen mußt. Du darfst ihm niemals erlauben, sich dir zu nähern. Wenn du jemanden vor dir siehst, der dir gefährlich scheint, dann handle sofort, als ob er dich zerstören wollte. Fühle, daß dein Leben in Gefahr ist. Im spirituellen Leben nehmen Menschen schlechte Gedanken sehr oft nicht ernst genug. Wir nähren diese ungöttlichen Eigenschaften und glauben, es seien nur Insekten, die uns stechen. Wenn du aber diese ungöttlichen Eigenschaften besitzt, mußt du fühlen, daß sie schlimmer sind als Drachen; sie sind etwas sehr Gefährliches.

Was kann ich bei ungöttlichen Gedanken während der Meditation tun?

Sri Chinmoy: Wenn ein Gedanke erscheint, der nicht rein, gut oder göttlich ist, wiederhole ganz schnell das Wort “Supreme”. Der Supreme ist mein Guru, dein Guru, jedermanns Guru. All jene, die unseren Weg angenommen haben, müssen wissen, daß der Supreme der wirkliche Guru ist. Wiederhole also “Supreme” sehr schnell und fühle bitte, daß du bei jeder Wiederholung von “Supreme” eine Schlange erschaffst, die sich um den ungöttlichen Gedanken wickelt und ihn vernichtet.
Wenn Eifersucht kommt, sage sehr schnell “Supreme”, und du wirst sehen, daß sich um diesen Gedanken der Eifersucht eine Spirale wickelt, welche die Eifersucht vernichtet.

Wie kann ich durch Meditations-Übungen meine Gedanken beherrschen?

Sri Chinmoy: Wenn deine Gedanken keine guten Gedanken sind, wenn sie ungöttlich, ungesund sind, gibt es zwei Wege, sie zu beherrschen. Ein Weg ist, sich vorzustellen, daß es in deinem Verstand ein Zimmer gibt, und dieses Zimmer hat naturgemäß eine Tür. Es ist dein Zimmer, also kannst du draußen vor der Tür stehen und keine Gedanken einlassen. Du kannst das Verstandeszimmer verschlossen halten und an der Türe wachen. Es ist dein Zimmer. Wer könnte also ohne deine Erlaubnis eintreten? Wenn du jedoch die Türe offenläßt, kann jeder eintreten, und wenn die Gedanken erst einmal drinnen sind, ist es schwierig für dich, sie wieder hinauszuwerfen. Also mußt du sie davon abhalten hereinzukommen.

Warum werde ich beim meditieren ständig von störenden Gedanken abgelenkt?

Sri Chinmoy: Der Grund, warum man ständig von Gedanken abgelenkt wird, liegt darin, daß man versucht, im Verstand zu meditieren. Es ist die Natur des Verstandes, Gedanken willkommen zu heißen – gute Gedanken, schlechte Gedanken, göttliche Gedanken und ungöttliche Gedanken. Wenn du den Verstand mit deinem menschlichen Willen beherrschen möchtest, ist das, als würdest du ein Äffchen oder eine Fliege darum bitten, dich nicht zu stören. Es liegt in der Natur eines Äffchens zu beißen und zu zwicken, und es liegt in der Natur einer Fliege, Menschen zu stören.
Eine höhere Kraft ist notwendig, um den Verstand ruhigzustellen. Diese Kraft ist die Macht der Seele. Du mußt das Licht der Seele aus dem Inneren deines Herzens hervorbringen. Du besitzt zwei Räume: den Herzensraum und den Verstandesraum. Im Augenblick ist der Verstandesraum dunkel, unerleuchtet und unrein; er ist nicht bereit, sich dem Licht zu öffnen. Der Herzensraum aber ist immer offen für das Licht, denn dort ist der Sitz der Seele. Wenn du dich konzentrieren und auf die Wirklichkeit meditieren kannst, die im Inneren deines Herzens wohnt, anstatt dich nur auf den Verstand zu konzentrieren, wird diese Wirklichkeit hervortreten. Wenn du im Herzen fest verankert bist und vom Licht der Seele durchdrungen bist, kannst du den Verstandesraum betreten, um den Verstand zu erleuchten.

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