Freude erleben

Freude erleben ist der einzige Sinn unseres Daseins. Doch wie können wir diese Wahrheit in unserem Alltag und unserer Meditation verwirklichen? Der Meditationslehrer Sri Chinmoy gibt dazu wertvolle Ratschläge.

Was bedeutet der Ausdruck, in Freude zu leben?

Sri Chinmoy: Wir alle sind Sucher und wir haben alle dasselbe Ziel: inneren Frieden, inneres Licht und innere Freude zu erlangen, untrennbar eins mit unserer Quelle zu werden und ein Leben voll echter Erfüllung zu führen.
In Freude zu leben bedeutet, ein inneres Leben zu führen - das Leben, das zur Selbstverwirklichung führt. Selbstverwirklichung ist Gottverwirklichung, denn Gott ist nichts anderes als die Göttlichkeit, die tief im Innern eines jeden von uns weilt und nur darauf wartet, entdeckt und enthüllt zu werden. Wir können Gott auch als den inneren Piloten, den inneren Führer oder als Supreme bezeichnen - den Höchsten oder das Höchste, die höchste Wirklichkeit. Welchen Begriff wir auch verwenden, wir meinen damit das Höchste in uns, das letztendliche Ziel unserer spirituellen Suche.
Nur wenn wir das innere Leben nähren, kann das äußere Leben von wirklicher Bedeutung sein. Wir geben unserem Körper dreimal täglich Nahrung. Doch tief in unserem Innern wohnt ein göttliches Kind: unsere Seele. Dieses Kind zu nähren finden wir keine Zeit. Die Seele ist der bewusste Vertreter Gottes in uns. Solange dieses Seelenkind nicht erfüllt ist, können wir in unserem äußeren Leben niemals erfüllt sein.

Freude bedeutet Ausdehnung

Was ist Freude?
Was ist Freude? Eine interessante Frage! Denn jeder Mensch wünscht sich schließlich Freude in seinem Leben. Doch was ist sie wirklich? Für jeden kann sie sich unterschiedlich manifestieren, aber immer ist sie mit einem Gefühl der Weite, der Ausdehnung verbunden. Etwas, welches das eigene, begrenzte Leben etwas unbegrenzter, offener, ja, lebenswerter erscheinen lässt.

Spontanität und Freude.
Freude kommt meistens spontan, oft vollkommen überraschend. Sie lässt sich nicht durch äußere Umstände erzwingen, sondern ist ein Geschenk des Himmels, des Göttlichen. Das einzige was der Mensch dazu beitragen kann, ist durch seine tiefe Meditation eine Öffnung herbei zu führen. "Diese Freude zu erfahren, ist der einzige Grund unserer Existenz", sagt es spirituelle Lehrer Sri Chinmoy lyrisch-poetisch. Und sie kommt niemals alleine, sondern bringt eine tiefe Zufriedenheit und Erfüllung mit sich.
Eine Erfüllung und Zufriedenheit, die nicht mehr nach dem Sinn des Lebens fragt, sondern selbst der Sinn des Lebens zu sein scheint.

(Siehe auch Web-Log zur Selbst-Transzendenz von Mahamani)

Wie können wie unser inneres und äußeres Leben mit ständiger Freude erfüllen?

Sri Chinmoy: Wir können unser inneres und äußeres Leben mit ständiger Freude erfüllen, wenn wir die innere Welt und die äußere Welt miteinander in Einklang bringen können.
Wir können die innere Welt und die äußere Welt am besten in Einklang bringen, indem wir zur Botschaft des Sich-selbst-Gebens werden. Wenn wir uns dem inneren Leben geben, während wir im äußeren Leben sind, und wenn wir uns dem äußeren Leben geben, während wir im inneren Leben sind, können wir sowohl die innere wie die äußere Welt miteinander in Einklang bringen. Was verstehen wir darunter, wenn wir sagen, dass wir uns dem inneren Leben geben, wenn wir im äußeren Leben sind? Wenn wir im äußeren Leben sind, müssen wir fühlen, dass wir die Erfüllung, die wir haben, der Sehnsucht des inneren Lebens verdanken. Wenn wir dieses Gefühl haben, geben wir uns automatisch dem inneren Leben. Wir werden zur wirklichen Erfüllung und wissen, dass wir es nur dem inneren Leben verdanken. Wenn wir im inneren Leben sind und uns geben wollen, müssen wir fühlen, dass es nicht ausreicht, nur diese innere Sehnsucht zu besitzen. Wir müssen die innere Sehnsucht ins äußere Leben hinaustragen und das äußere Leben in ständige Freude und Glückseligkeit verwandeln. Wenn wir das tun, können wir fühlen, dass wir uns dem äußeren Leben geben. Das innere Leben ist nur dann vollkommen, wenn wir im äußeren Leben ein Lächeln sehen; das äußere Leben ist nur dann vollkommen, wenn wir sehen, dass das äußere Leben ohne das bewusste und ständige Geben des inneren Lebens nichts tun kann.

Wie kann ich meine Freude stets aufrecht erhalten?

Sri Chinmoy: Du kannst deine Freude dauernd aufrechterhalten, wenn du fühlst, dass die Freude, die du hast, nicht dir gehört. Sie kommt nicht, weil du etwas für dich oder für Gott oder für die Menschheit getan hast. Nein! Du musst fühlen, dass sie ein bedingungsloses Geschenk des Supreme ist. Dann musst du fühlen, dass die Freude, die du erfährst, nichts anderes als der Supreme Selbst ist. Der Supreme ist in Form von Freude zu dir gekommen. Da der Supreme dauernd und ewig in dir ist, ist auch deine Freude ewig.
Versuche zuerst zu fühlen, dass dir der Supreme diese Freude gegeben hat - nicht weil du etwas getan hast, sondern weil Er dich liebt. Sie ist kein Ergebnis deiner Handlung, sondern etwas, was dir der Supreme Selbst geben will. Wenn du dann diese Freude erfährst, musst du fühlen, dass es keine Freude als solche ist, sondern dass es der Supreme Selbst ist, den du genießt. Es ist nicht so, dass Er dir Freude geschickt hat und Er Selbst woanders ist. Nein. Er Selbst ist in Form von Freude zu dir gekommen. Wenn du dieses innere Gewahrsein hast, wirst du fähig sein, deine Freude aufrechtzuerhalten, denn Er, der als Freude zu dir gekommen ist, ist ewig und unendlich. Wenn du Ihn als unendliche Freude sehen und fühlen kannst, wird deine Freude immer bleiben.

Was ist die beste Art, Freude in unserem Wesen zu errichten?

Sri Chinmoy: Die beste Art, in jedem Teil unseres Wesens Freude zu errichten, besteht darin, dem Einen, der dafür verantwortlich ist, dass wir das spirituelle Leben angenommen haben, ständig dankbar zu sein.
Jede Sekunde müssen wir uns vor Augen halten, was wir waren, bevor wir bewusst spirituell geworden sind. Einen kurzen Augenblick lang können wir sehen, was unsere früheren Freunde jetzt tun, wo unsere damaligen Bekannten jetzt sind. Sobald wir sehen, was sie tun und was wir damals selbst waren, werden wir den Unterschied zwischen unseren Errungenschaften der Vergangenheit und der Gegenwart sehen. Wie weit das Ziel auch entfernt sein mag, wir können dennoch ohne weiteres sehen, welche Distanz wir bereits zurückgelegt haben. Unsere sogenannten Freunde der Vergangenheit haben noch nicht begonnen, auf der wirklichen Straße zu gehen, doch in uns gibt es ein wenig Strebsamkeit, eine leise innere Sehnsucht, zumindest ein wenig Gewahrsein eines höheren Ideals und Ziels.

Wie können wir innere Freude erhalten?

Sri Chinmoy: Wenn wir uns schlecht fühlen und deshalb Freude brauchen, werden wir nie innere Freude erhalten. Wenn wir uns sagen: „Warum können wir diese Freude nicht auch haben, wenn sie doch jemand anders hat?“, so werden wir sie nicht erhalten. Wenn wir auf arrogante Art und Weise das Gefühl haben, wir hätten jedes Recht, Freude zu erhalten, da Gott doch reine Freude sei, dann müssen wir uns darüber im klaren sein, dass uns diese arrogante Haltung keine wirkliche Freude geben wird. Wenn wir jedoch wirklich fühlen, dass innere Freude unser Lebensatem ist, wenn wir fühlen, dass wir ohne Freude nicht existieren können und in diesem Moment sterben werden, wenn wir sie nicht haben, dann wird Gott Seinen auserwählten Segen - Freude - auf uns herabfließen lassen. Wirkliche Freude kommt aus dem Gefühl, dass wir uns ständig im Schoße des Supreme befinden. Wir können nicht vierundzwanzig Stunden am Tag meditieren. Doch durch unsere Vorstellungskraft können wir fühlen, dass wir uns vierundzwanzig Stunden am Tag im Schoße des Supreme befinden. Wenn wir dies fühlen können, werden wir in und um uns unendliche Freude sehen.

Was bedeutet es in Freude zu leben?

Sri Chinmoy: Wahre innere Freude ist selbsterschaffen. Sie ist unabhängig von äußeren Umständen. In dir und durch dich hindurch fließt ein Fluss, der die Botschaft der Freude mit sich trägt. Diese göttliche Freude ist der einzige Sinn des Lebens. Wir alle sind Sucher und wir haben alle dasselbe Ziel: inneren Frieden, inneres Licht und innere Freude zu erlangen, untrennbar eins mit unserer Quelle zu werden und ein Leben voll echter Erfüllung zu führen. In Freude zu leben bedeutet, ein inneres Leben zu führen - das Leben, das zur Selbstverwirklichung führt. Selbstverwirklichung ist Gottverwirklichung, denn Gott ist nichts anderes als die Göttlichkeit, die tief im Innern eines jeden von uns weilt und nur darauf wartet, entdeckt und enthüllt zu werden. Wir können Gott auch als den inneren Piloten, den inneren Führer oder als Supreme bezeichnen - den Höchsten oder das Höchste, die höchste Wirklichkeit. Welchen Begriff wir auch verwenden, wir meinen damit das Höchste in uns ,das letztendliche Ziel unserer spirituellen Suche. Nur wenn wir das innere Leben nähren, kann das äußere Leben von wirklicher Bedeutung sein. Wir geben unserem Körper dreimal täglich Nahrung. Doch tief in unserem Innern wohnt ein göttliches Kind: unsere Seele. Dieses Kind zu nähren finden wir keine Zeit. Die Seele ist der bewusste Vertreter Gottes in uns.

Sind äußere und innere Freude identisch?

Sri Chinmoy: Das gewöhnliche äußere Leben ist das Leben der Wünsche und Begierden. Im Leben der Wünsche und Begierden herrscht stets ein Gefühl des Unvollständigseins, des Nicht-Genügens, der Unzulänglichkeit. Ganz gleich wieviel wir erreichen, es fehlt immer etwas. Doch im inneren Leben gibt es stets ein Gefühl der Zufriedenheit, der inneren Erfüllung. Selbst wenn wir nur ganz wenig Licht, Frieden und Seligkeit besitzen, fühlen wir, dass wir erfüllt sind. Heute sind wir ein winziger Tropfen. Doch wir wissen, dass dieser kleine Tropfen die beste Gelegenheit und Möglichkeit hat, in den riesigen Ozean einzutreten und zum mächtigen Ozean selbst zu werden.
Das äußere Leben und das innere Leben bereiten uns auf die Freude vor, auf die unbegrenzte Freude. Unglücklicherweise macht das Menschliche in uns oft einen bedauerlichen Fehler, wenn es in anderen oder in uns selbst Freude bemerkt. Es kommt zum Schluss, dass diese Freude Vergnügungssucht sei. Wenn wir bemerken, dass jemand fröhlich und glücklich ist, schließen wir augenblicklich daraus, dass er vergnügungssüchtig oder genusssüchtig sei. Das ist völlig falsch. Genusssucht und Glücklichsein sind zwei grundverschiedene Dinge, so verschieden wie Nord- und Südpol. Genusssucht kommt vom ungöttlichen Teil in uns. Wenn wir eine Sache auskosten, müssen wir wissen, dass das Ungöttliche in uns etwas hegt - das Enge in uns, nicht das Weite. Wenn wir wirklich glücklich sind, müssen wir wissen, dass das Göttliche in uns, das Unendliche in uns etwas schätzt und genießt.
Wir genießen. Gott genießt. Wir genießen das emotionale Leben unserer Lebensenergie. Gott, der höchste Genießer, genießt Seine Unendlichkeit, Ewigkeit und Unsterblichkeit. Genuss im Körperlichen und in der Lebensenergie ist der Vorbote der Zerstörung. Doch Genuss im Herzen oder in der Seele ist göttlich, vollkommen und erhaben. Genuss im Körperlichen ist das Leben des Vergnügens. Das Leben des Vergnügens und das Leben des Glücklichseins sind völlig verschiedene Dinge. Im Vergnügen nimmt die Frustration überhand, und Frustration ist der Bote der Zerstörung, wogegen Glücklichsein ein allmähliches Fließen, ein stufenweiser Fortschritt in uns ist. Glücklichsein ist wie ein Fluss, der zu seiner Quelle fließt, zum Meer; und diese Quelle befindet sich in uns, nicht außerhalb von uns.

Wie können wir innere Freude erlangen?

Sri Chinmoy: Wenn wir im äußeren Leben mit Menschen zusammen sind, mit ihnen sprechen und Ideen austauschen, erhalten wir eine Art Freude. Aber das ist nicht wirkliche Freude; das ist nur eine Art vitales Vergnügen. Wirkliche Freude ist etwas sehr Tiefes und Erfüllendes. Innere Freude ist immer eine Seltenheit, weil sich die Menschen in ihrem Leben nicht nach dieser inneren Freude sehnen. Die meisten von uns leben in der Welt der Wünsche und des Verlangens. Wir haben keine Zeit, um nach innen zu gehen. Von vierundzwanzig Stunden, die wir täglich zur Verfügung haben, finden wir nicht eine einzige Minute Zeit, um in uns zu gehen und diese innere Freude zu erhalten. In uns gibt es ein weites Feld. Wie ein Bauer müssen wir dieses innere Feld pflügen, und nachdem wir es gepflügt haben, müssen wir die Saat unserer Strebsamkeit sähen, die Saat unserer Anteilnahme für das innere Leben. Wenn wir das innere Leben aufrichtig annehmen, werden wir nach einigen Monaten oder einem Jahr beginnen, wirkliche innere Freude zu spüren.

Gibt es einen Unterschied zwischen Freude und Glücklichsein?

Sri Chinmoy: Glücklichsein hat immer etwas Dynamisches in sich, während in der Freude etwas sehr Süßes, Mildes, Feines und Ruhiges sein kann. Im Glücklichsein kannst du eine ekstatische Bewegung erfahren, und du verlierst vielleicht dein Gleichgewicht. Doch wenn es subtile Freude ist, innere Freude, dann verlierst du dein äußeres Gleichgewicht nicht. Das ist aber nur ein Spiel mit Worten. In Wirklichkeit gibt es keinen Unterschied zwischen dem Glücklichsein der Seele und wirklicher Freude. Glücklichsein und Freude sind Synonyme.
Wenn wir wirkliche Freude erfahren, können wir fühlen, dass Gott mit uns zufrieden ist. Gottes größte Errungenschaft ist unsere Freude. Wenn wir unglücklich und niedergeschlagen sind, beherbergen wir ungöttliche, negative Kräfte. Aber wenn wir wirklich glücklich sind, können wir fühlen, dass wir Gott etwas schenken. Gottes größte Freude besteht darin, dieses Geschenk von uns zu erhalten.

Weshalb ist Freude in unserem Leben so wichtig?

Sri Chinmoy: Freude ist Wachstum, Freude ist eine aufbauende Kraft, die uns erfüllt. Freude ist wie eine Blume, die sich Blütenblatt um Blütenblatt entfaltet. Gott erschuf uns aus Freude, Gott will, dass wir in der Freude verbleiben, und Gott will, dass wir unsere jeweiligen Rollen mit größter Freude erfüllen. Nur wenn wir in der Freude, in innerer Freude verbleiben, können wir wirklichen Fortschritt machen.
Wenn ein spiritueller Sucher fröhlich bleibt, macht er sehr schnell Fortschritt. Seine Freude bedeutet Vertrauen in sein Leben der Strebsamkeit. Freude ist Selbstentdeckung und Selbsterfüllung.

Wie erkennen wir wirkliche Freude?

Sri Chinmoy: Wirkliche Freude bedeutet augenblickliche Ausdehnung. Wenn wir reine Freude erfahren, dehnt sich unser Herz sofort aus. Wir werden tatsächlich unsere Flügel ausbreiten und fühlen, dass wir im göttlichen Freiheits-Himmel fliegen. Die ganze Welt wird uns gehören, nicht damit wir über sie herrschen, sondern als Erweiterung unseres Bewusstseins. Wir werden Wirklichkeit und Weite.
Wir müssen unterscheiden, ob wir wirkliche Freude erfahren oder nicht. Manchmal sind wir sehr trickreich. Wir vergnügen uns an allem möglichen Geschwätz mit unseren Freunden. Wir werden eifersüchtig auf jemanden, und wenn dem Betreffenden etwas misslingt, empfinden wir Schadenfreude. Wir müssen mit dieser unreinen Freude vorsichtig sein. Wir müssen wissen, ob wir Vergnügen oder reine Freude erfahren.
Wenn es nur Vergnügen ist, erhält die Lebensenergie in uns eine blinde Kraft. Wir werden wie ein Elefant und haben das Gefühl, wir könnten die ganze Welt zertrampeln.
Wenn wir uns von einem Menschen distanzieren, der etwas falsch gemacht hat und uns an seinem Fehler freuen, dann kommt unser Gefühl der Überlegenheit zum Vorschein. Nur wenn wir das wirkliche Gefühl inneren Einsseins haben, können wir mit der Weite selbst eins werden. Dann können keine Angst, kein Zweifel, keine Eifersucht, keine Sorgen, keine Begrenzungen in uns eindringen.

Inhalt abgleichen (C01 _th3me_)