Atemübungen - Pranayama

Atem und Leben gehören untrennbar zusammen. Genauso wie Atem und Meditation. Nachstehend einige wertvolle Tipps, diese Wahrheit für die eigene Meditationspraxis zu nutzen.

Wie kann mir mein Atem helfen, in die Mediation hinein zu kommen?

Sri Chinmoy: Bevor du zu meditieren beginnst, atme bitte einige Male tief ein. Versuche dir bei jedem Atemzug vorzustellen, daß ein Energiestrom in dich eintritt. Versuche dann zu fühlen, daß du durch verschiedene Teile deines Körpers atmest: durch deine Augen, deine Ohren, deine Stirn, deine Schultern, deinen Scheitel und so weiter. Fühle, daß jeder dieser Orte eine Tür ist, die du jedesmal öffnest, wenn du einatmest. So fließt dann Energie aus dem universellen Bewußtsein in dich ein.

Was versteht in der Meditation unter Atemkontrolle?

Sri Chinmoy: In Indien gibt es ein traditionelles System der Atemkontrolle, das Pranayama genannt wird. Prana ist die vitale Energie, der Lebensatem; Yama bedeutet Kontrolle. Pranayama ist die Kontrolle des Lebensatems. Die erste Übung, die du praktizieren kannst, besteht darin, den Namen Gottes, den Namen Christi oder wen auch immer du verehrst, beim Einatmen einmal zu wiederholen. Wenn dir dein Meister ein Mantra gegeben hat, kannst du dieses wiederholen. Das Einatmen muß nicht lang oder tief sein. Halte dann deinen Atem an und wiederhole den gleichen Namen viermal. Und wenn du ausatmest, wiederhole den Namen oder das Mantra, das du ausgewählt hast, zweimal. Atme auf einen Schlag ein, halte den Atem vier Schläge an und atme auf zwei Schläge aus, indem du innerlich den heiligen Namen wiederholst. Wenn du einfach nur die Zahlen eins-vier-zwei zählst, wirst du innerlich nicht das geringste spüren. Wenn du aber den Namen Gottes wiederholst, werden sofort göttliche Eigenschaften in dich eintreten. Wenn du dann den Atem anhältst, werden diese göttlichen Eigenschaften in dir kreisen und in all deine Unreinheiten, Unklarheiten, Unvollkommenheiten und Begrenzungen eindringen. Und wenn du ausatmest, werden die gleichen göttlichen Eigenschaften all deine ungöttlichen, widerstrebenden und zerstörerischen Eigenschaften davontragen.
Der Anfänger beginnt mit dem Rhythmus eins-vier-zwei. Wenn er in seiner Atmung geübter wird, wird er in der Lage sein, mit einem Rhythmus von vier-sechzehn-acht zu üben: auf vier Schläge einatmen, sechzehn Schläge lang die Luft anhalten und auf acht Schläge ausatmen. Dies darf aber nur Schritt für Schritt geschehen. Manche Menschen gehen sogar noch weiter. Sie machen einen Rhythmus von acht-zweiunddreißig-sechzehn. Dies ist aber nur für Fortgeschrittene geeignet.
Eine weitere Übung ist die wechselseitige Atmung. Dabei hält man sich das rechte Nasenloch mit dem Daumen zu und holt einen langen Atemzug durch das linke Nasenloch. Wiederhole den Namen Gottes beim Einatmen. Halte dann deinen Atem vier Schläge an und wiederhole dabei den Namen Gottes viermal. Lasse schließlich dein rechtes Nasenloch los und halte dein linkes Nasenloch mit dem Ringfinger zu und lasse deinen Atem zwei Schläge lang herausströmen, wobei du den Namen Gottes zweimal wiederholst. Mache diese Übung dann umgekehrt, indem du zuerst das linke Nasenloch zuhältst. Bei dieser Übung brauchst du nicht leise zu atmen. Wenn du dabei Geräusche machst, ist das nicht schlimm. Allerdings sollte diese Übung natürlich nicht in der Öffentlichkeit gemacht werden, oder wenn andere Menschen versuchen, in Stille zu meditieren.
Du solltest das Eins-Vier-Zwei Atmen nicht länger als vier bis fünf Minuten lang üben und auch das wechselseitige Atmen nicht öfter als dreimal machen. Wenn du es zwanzig-, vierzig- oder fünfzigmal wiederholst, wird vom unteren Ende deines Rückgrats Hitze in deinen Kopf aufsteigen und dort Druck und Kopfschmerzen erzeugen. Es ist wie beim Essen: Essen ist gut, aber wenn du zuviel ißt, wirst du dir den Magen verderben. Diese Hitze wirkt auf ähnliche Art. Wenn du die Übung über deine Fähigkeit hinaus praktizierst, wird sie dir anstelle eines friedlichen Verstandes einen arroganten, unbeherrschten und zerstörerischen Verstand geben. Erst wenn du deine innere Fähigkeit entwickelt hast, kannst du dieses wechselseitige Atmen zehn oder fünfzehn Minuten lang machen.
Pranayama ist eine traditionelle Yoga-Disziplin mit vielen strengen, komplizierten Atemübungen. Dabei ist eine Übungsdauer von zehn bis fünfzehn Minuten oder einer halben Stunde angebracht. Doch Pranayama ist gefährlich, wenn du keinen Lehrer hast, der dich bei jedem Schritt leitet. Wenn du die Übungen unsachgemäß durchführst, kannst du an Tuberkulose erkranken. In Indien haben sich viele Menschen diese Krankheit zugezogen, weil sie die Übungen ohne die richtige Führung praktiziert haben. Doch die Übungen, die ich dir beschrieben habe – der eins-vier-zwei Rhythmus und das wechselseitige Atmen – sind sehr einfach und gleichzeitig sehr wirkungsvoll. Sie werden deine Lungen niemals schädigen.

Was kann ich beim Einatmen während der Meditation noch tun?

Sri Chinmoy: Versuche, beim Einatmen bei jedem Atemzug sieben Mal langsam “Supreme” zu wiederholen und weitere sieben Mal, während du ausatmest. In dir gibt es sieben höhere und sieben niedere Welten. Wenn du beim Einatmen “Supreme” wiederholst, fühle, daß du in die höheren Welten in dir eintrittst. Wenn du erst einmal die sieben höheren Welten erreicht hast, wirst du solide Kraft vorfinden. Denke, während du ausatmest, an die sieben niederen Welten in dir und versuche, die Stärke der höheren Welten in die niederen Welten zu werfen. Sammle alles in den höheren Welten und tritt dann beim Ausatmen, während du “Supreme, Supreme, Supreme ...” wiederholst, mit Frieden, Licht und Seligkeit in die niederen Welten ein, um sie zu reinigen.

Erkläre, auf was ich bei der Atem-Meditation achten sollte.

Sri Chinmoy: Fühle, daß du nicht Luft, sondern kosmische Energie einatmest. Fühle, daß mit jedem Atemzug enorme kosmische Energie in dich eintritt und daß du sie zur Reinigung deines Körpers, deines Vitalen, deines Verstandes und deines Herzens gebrauchst. Spüre, daß es keinen einzigen Punkt in deinem Körper gibt, der nicht von dem Strom kosmischer Energie erfaßt wird. Sie fließt in dir wie ein Strom und wäscht und reinigt dein gesamtes Wesen. Wenn du dann auszuatmen beginnst, fühle, daß du allen Ballast in dir ausatmest – alle ungöttlichen Gedanken, alle dunklen Ideen und unreinen Taten. Atme alles aus, was du in deinem System als ungöttlich bezeichnest, alles, was du nicht als dein eigen betrachtest.

Welche Eigenschaften kann ich bei der Atem-Meditation einatmen?

Sri Chinmoy: Versuche jedes Mal beim Einatmen zu spüren, daß du unendlichen Frieden in deinen Körper bringst. Das Gegenteil von Frieden ist Unruhe. Versuche beim Ausatmen zu fühlen, daß du die Unruhe in dir und auch die Unruhe, die du um dich herum siehst, ausstößt. Wenn du auf diese Weise atmest, wirst du sehen, daß dich die Unruhe allmählich verläßt. Wenn du dies einige Mal geübt hast, fühle, daß du aus dem Universum Kraft einatmest. Und wenn du ausatmest, spüre, daß all deine Angst aus deinem Körper austritt. Nachdem du das einige Male getan hast, versuche zu fühlen, daß du Freude einatmest, unendliche Freude, und daß du Sorgen, Leid und Traurigkeit ausatmest.

An was sollte ich beim Atmen während der Meditation denken?

Sri Chinmoy: Das erste, an das du beim Atmen denken mußt, ist Reinheit. Wenn du beim Einatmen spüren kannst, daß der Atem direkt von Gott, von der Reinheit selbst kommt, dann kann dein Atem leicht gereinigt werden.

Ist ruhiges Atmen bei der Meditation wichtig?

Sri Chinmoy: Richtiges Atmen ist bei der Meditation sehr wichtig. Versuche beim Atmen so langsam und ruhig einzuatmen, daß sich ein winziger Faden vor deiner Nase überhaupt nicht bewegen würde. Und wenn du ausatmest, versuche noch langsamer auszuatmen, als du eingeatmet hast. Mach, wenn möglich, eine kurze Pause zwischen dem Ende deines ersten Ausatmens und dem Beginn deines neuen Einatmens. Wenn du kannst, dann halte deinen Atem für ein paar Sekunden an.
Tue es jedoch nicht, wenn es dir schwerfällt. Tue niemals etwas, das deine Organe oder dein Atemsystem schädigen könnte.

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