Wie können wir die Welt annehmen, ohne an sie verhaftet zu sein?

Sri Chinmoy: Der große Philosoph Sokrates sagte: „Heirate auf jeden Fall. Wenn du eine gute Frau erhältst, bist du glücklich; und wenn du eine schlechte Frau erhältst, wirst du ein Philosoph.“ Unglücklicherweise erhielt er eine schlechte Frau. Xantippe plagte ihn und er wurde ein Philosoph. Was lernen wir daraus? Wenn wir die Welt annehmen, sehen wir sehr oft Unwissenheit. Auf der anderen Seite spielen wir die Rolle der Unwissenheit, wenn wir die Welt ablehnen. „Welt“ bedeutet hier durchwegs den Mutteraspekt, den weiblichen Aspekt der Welt. Wir müssen die Mutter Erde annehmen. Wenn wir die Mutter Erde nicht annehmen wie sie ist, können wir nie glücklich sein. Sie muss uns segnen, führen, uns formen und uns all ihre Anteilnahme zeigen. Wenn uns dann die Mutter Erde in unseren Versuchen, unser höchstes Ziel zu erreichen, im Stich lässt, oder wenn es uns misslingt, sie für das höchste Ziel zu inspirieren, dann ist für uns die Zeit gekommen, wo wir gegenüber den Vergnügungen der Erde und den Errungenschaften der Erde gleichgültig werden müssen. Ein wirklicher Philosoph ist, wer eine Vision der Wahrheit hat. Wer einmal eine Vision der Wahrheit hat, kann gegenüber Vergnügen, Freude und Leid wirklich unberührt bleiben. Ebenso kann er gegenüber Erfolg und Misserfolg unberührt bleiben.
Dieses Unberührtsein bedeutet nicht, dass man der Welt nicht hilft oder sich von der Welt nicht helfen lässt. Sie bedeutet nur, dass wir demjenigen, dem wir helfen oder der uns hilft, nicht verhaftet sind. Wenn wir verhaftet sind, sind wir gebunden. Doch wenn wir der Welt helfen und wenn die Welt uns hilft, sind wir erfüllt. Wenn es uns misslingt, der Welt zu helfen und wenn es der Welt misslingt, uns zu helfen, dann haben wir ganz am Anfang unserer Reise einen Fehler gemacht. Entweder wollten wir Gott nicht erlauben, der Welt durch uns zu helfen, oder wir wollten Gottes Gegenwart in der Welt nicht sehen, als die Welt versucht hat, uns zu helfen. Aber wenn wir fühlen können, dass es Gottes Licht ist, das in der Welt und durch die Welt wirkt, dann und nur dann können wir erfüllt sein. Wenn ich nicht derjenige bin, der etwas tut, und die Welt nicht diejenige ist, die etwas tut, wer kann dann wen besitzen? Der Einzige, der etwas tut, ist Gott, die uns innewohnende Gottheit. Gott arbeitet in und durch uns - so kann Gott die Welt besitzen und so kann Gott uns besitzen.