Sind äußere und innere Freude identisch?

Sri Chinmoy: Das gewöhnliche äußere Leben ist das Leben der Wünsche und Begierden. Im Leben der Wünsche und Begierden herrscht stets ein Gefühl des Unvollständigseins, des Nicht-Genügens, der Unzulänglichkeit. Ganz gleich wieviel wir erreichen, es fehlt immer etwas. Doch im inneren Leben gibt es stets ein Gefühl der Zufriedenheit, der inneren Erfüllung. Selbst wenn wir nur ganz wenig Licht, Frieden und Seligkeit besitzen, fühlen wir, dass wir erfüllt sind. Heute sind wir ein winziger Tropfen. Doch wir wissen, dass dieser kleine Tropfen die beste Gelegenheit und Möglichkeit hat, in den riesigen Ozean einzutreten und zum mächtigen Ozean selbst zu werden.
Das äußere Leben und das innere Leben bereiten uns auf die Freude vor, auf die unbegrenzte Freude. Unglücklicherweise macht das Menschliche in uns oft einen bedauerlichen Fehler, wenn es in anderen oder in uns selbst Freude bemerkt. Es kommt zum Schluss, dass diese Freude Vergnügungssucht sei. Wenn wir bemerken, dass jemand fröhlich und glücklich ist, schließen wir augenblicklich daraus, dass er vergnügungssüchtig oder genusssüchtig sei. Das ist völlig falsch. Genusssucht und Glücklichsein sind zwei grundverschiedene Dinge, so verschieden wie Nord- und Südpol. Genusssucht kommt vom ungöttlichen Teil in uns. Wenn wir eine Sache auskosten, müssen wir wissen, dass das Ungöttliche in uns etwas hegt - das Enge in uns, nicht das Weite. Wenn wir wirklich glücklich sind, müssen wir wissen, dass das Göttliche in uns, das Unendliche in uns etwas schätzt und genießt.
Wir genießen. Gott genießt. Wir genießen das emotionale Leben unserer Lebensenergie. Gott, der höchste Genießer, genießt Seine Unendlichkeit, Ewigkeit und Unsterblichkeit. Genuss im Körperlichen und in der Lebensenergie ist der Vorbote der Zerstörung. Doch Genuss im Herzen oder in der Seele ist göttlich, vollkommen und erhaben. Genuss im Körperlichen ist das Leben des Vergnügens. Das Leben des Vergnügens und das Leben des Glücklichseins sind völlig verschiedene Dinge. Im Vergnügen nimmt die Frustration überhand, und Frustration ist der Bote der Zerstörung, wogegen Glücklichsein ein allmähliches Fließen, ein stufenweiser Fortschritt in uns ist. Glücklichsein ist wie ein Fluss, der zu seiner Quelle fließt, zum Meer; und diese Quelle befindet sich in uns, nicht außerhalb von uns.