Wie unterscheiden sich wahre und falsche Demut?

Sri Chinmoy: Demut bedeutet nicht falsche Bescheidenheit. Demut bedeutet nicht, in der hintersten Reihe zu sitzen. Wenn du dich bewusst und absichtlich nach hinten setzt, um anderen zu zeigen wie demütig du bist, bist du ganz und gar nicht demütig.
Falsche Demut ist das, was ein Sklave seinem Herrn gegenüber zeigt. Ein Sklave weiß, dass sein Herr ihn bestrafen wird, wenn er ihm nicht blind gehorcht und diese Art äußerlicher Demut zeigt.
Wahre Demut ist etwas völlig anderes. Sie ist das Gefühl des Einsseins. Demut bedeutet, anderen Freude zu schenken. Hier auf der Erde wollen wir Freude erfahren. Doch wie können wir Freude erhalten? Wahre Freude erhalten wir, indem wir uns selbstlos geben, nicht indem wir besitzen oder unsere Überlegenheit zeigen. Wenn wir anderen ermöglichen, Freude zu empfinden, fühlen wir, dass unsere eigene Freude vollständiger, vollkommener, göttlicher wird. Indem wir anderen das Gefühl geben, sie seien entweder genauso wichtig oder sogar wichtiger als wir, zeigen wir unsere wahre Demut.
Jemand, der die Bedeutung der Demut erkannt hat, ist wahrhaft göttlich. Demut ist wahre Göttlichkeit. Demut ist das Licht unserer Seele, das sich in alle Richtungen ausbreitet. Wenn das Licht der Seele durch das physische Wesen aus absolutem Einssein mit allen Menschen zum Ausdruck kommt, dann ist das göttliche Demut. Nichts kann in einen Menschen so still und zugleich so überzeugend eindringen wie Demut.
Durch Demut können wir in unserer Meditation am tiefsten tauchen und am höchsten emporsteigen. In der Demut ist Einssein, und im Einssein ist unsere göttliche Wirklichkeit.