Es meditiert

Meditation am schönen Rheinufer.
Ich saß schon eine ganze Weile am schönen Rheinufer und warf kleine, abgerundete Steinchen ins bläulich schimmernde Wasser. Manche von ihnen, wenn sie in einem ganz bestimmten Winkel aufgekommen waren, sprangen drei-, vier-, oder sogar fünfmal aus dem Fluss heraus, bevor sie endgültig in dessen mysteriösen Tiefen verschwanden. Ich war vollkommen in diese Tätigkeit vertieft und bemerkte gar nicht, wie langsam und stetig die Sonne am strahlend, wolkenlosen Horizont unterging. Erst als der Fluss sich im reflektierenden Abendlicht rötlich färbte wurde mir bewusst, dass der warme Sommertag nun doch zu Neige ging. Ich setzte mich auf einen größeren Stein und blickte auf das ruhig dahinfließende Wasser. Meine Gedanken versenkten sich darin und wurden von den immer währenden kleinen Wellen davon getragen.

Die aufkommende Stille.
Alles geschah ohne die geringste Anstrengung. Ich trat in die aufkommende Ruhe ein und ließ meinen Blick absichtslos über den Strom schweifen. "Meditation ist Schönheit. Schönheit ist Meditation", sagte der spirituelle Lehrer Sri Chinmoy einmal. Und tatsächlich, wie treffend mir diese Worte doch jetzt erschienen! Die Schönheit des Flusses, die Schönheit der letzten Abendstrahlen, wie sie schwerelos über den Strom glitten und ihn in ein sphärisches Licht tauchten, die Schönheit der Stille, welche dieses Schauspiel stumm begleitete und nicht zuletzt das Wiegen der mächtigen Baumkronen am Rheinufer, als wollten sie damit ihre wortlose Begeisterung kundtun. Und langsam, langsam brach die Nacht herein. Verebbt war das Spiel der Natur, wie auch der Tanz meiner Gedanken - um mich herum meditierte die Welt, bis zum ewigen Neubeginn der täglichen Wiederkehr.